Afrin: Schmutziger Deal zwischen Türkei und Russland vertieft sich

Beritan Sarya über die Pläne der Türkei und Russlands in Nordsyrien, 28.05.2018

Afrin wurde am 20. Januar dieses Jahres durch Russlands Öffnung des Luftraums von einer Besatzungsoperation heimgesucht und schließlich am 18. März vom türkischen Staat mit seinen verbündeten Milizen besetzt.

Da die Besatzung, die infolge eines Zweckbündnisses zwischen der Türkei und Russland begonnen hat, anfangs nicht in geplanter Dauer verlief, hat Russland den türkischen Staat immer wieder ein Ultimatum gesetzt.

Dass trotz der Besatzung Afrins seit dem 18. März die Zivilbevölkerung unter schwersten Bedingungen ihren Widerstand fortführt und auch die Kräfte der YPG und YPJ innerhalb Afrins weiterkämpfen, stellt für das schmutzige Bündnis zwischen Russland und der Türkei weiterhin ein Hindernis dar.

Mit der Zunahme von Besuchen russischer Delegationen in Afrin, dem Bau gemeinsamer Beobachterposten, den Plänen zur demografischen Veränderung Afrins und dem Bestreben, den organisierten Widerstand in Sheba zu brechen, möchte man die türkische Existenz in Afrin festigen.

Besuche russischer Delegationen in Afrin haben zugenommen

Vertrauenswürdigen Quellen zufolge haben sich in der vergangenen Woche die Reisen russischer Delegationen nach Afrin vermehrt. Demzufolge sollen die Delegationen nicht über Syrien, sondern das türkische Hatay eingereist sein. Vergangene Woche sollen es zwei Delegationen gewesen sein. Eine bestand aus 20, die andere aus sechs Personen.

Die vielen Besuche dieser Delegationen und der Versuch, diese von der Öffentlichkeit geheim zu halten, beweisen, dass die gegenseitigen Interessen im Rahmen der Besatzung von Afrin ausgehandelt werden.

Russland und das syrische Regime treffen weiterhin Vorbereitungen für eine Operation im Süden Idlibs. Der türkische Staat hingegen trifft Vorbereitungen in Afrin für eine Operation in Idlib.

Über 60 Tausend Milizen wurden nach Afrin gebracht

Einer der Punkte der Vereinbarung zwischen Russland und der Türkei war die Milizen an den verschiedenen Orten Syriens in Afrin zu sammeln, sie gegen die al-Nusra zu nutzen und danach zu entwaffnen.

Mit der Besatzung von Afrin wird dieser Plan nun von beiden umgesetzt. Der türkische Staat hat bislang aus verschiedenen Orten Syriens über 60 Tausend Milizen und dessen Familien nach Afrin gebracht. Viele dieser Personen arabischer Herkunft wurden zunächst ins Afrin-Zentrum gebracht. Später hat man Cindires und Raco anvisiert. Diese zuvor mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebiete beherbergen nun zu 95 Prozent die Familien von arabischen Milizen aus verschiedenen Orten Syriens. Zudem ist in den Medien auch die Nachricht aufgetaucht, dass ein Camp im Dorf Muhammediye bei Cindires für die Milizen aus Ost-Ghouta und deren Familien von Seiten des türkischen Staates aufgebaut wird. Dass der türkische Staat bislang niemanden nach Bilbilê brachte und die kurdischen Bewohner vertrieb, zeigt, dass dieser Ort in Zukunft eine andere Rolle spielen soll.

Gemeinsame Beobachterposten und demografische Veränderung

Die demografische Umgestaltung Afrins stellt bislang die Schlüsselposition des Plans zwischen der Türkei und Russland dar. So wie Russland vom türkischen Staat forderte, die islamistischen Gruppen aus der Umgebung von Damaskus und Orten wie Ghouta zum Rückzug zu bewegen, möchte die Türkei für ihre demografischen Umgestaltungspläne in Afrin zur Verfestigung ihrer Vorherrschaft die Unterstützung von Russland sichern.

Denn nach der Besatzung von Afrin wurden mehr als 60 Tausend evakuierte Personen aus Ost- Ghouta, der Umgebung Damaskus und Orten wie Homs nach Afrin gebracht und der Plan ins Rollen gebracht.

Während Russland und Türkei in Afrin den Bau gemeinsamer Beobachterposten planen, haben sie auch eine Übereinkunft in der demografischen Umgestaltung Afrins gefunden. Unseren Quellen zufolge gab es in diesem Kontext ein Treffen beider Seiten in Aleppo und die Russen sind auch nach Kefercene in Afrin gegangen. (…)

Spezialkrieg in Sheba

Die andauernden Treffen zwischen der Türkei und Russland drehen sich aber nicht nur um Afrin. Die schmutzigen Pläne erstrecken sich auch auf die vertriebene Zivilbevölkerung aus Afrin in Sheba.

Die Politik des türkischen Staats gegenüber der Vertriebenen in Sheba hat sich auch verändert. Den Quellen zufolge soll dies auf Vorschlag der russischen Delegation passiert sein. Dem Plan zufolge sollen die Menschen aus Afrin, die sich in Sheba sammeln und organisieren, zerstreut werden. Die Gesellschaft, die trotz Gewalt und Besatzungsdrohungen, Sheba nicht verließ, soll nun mit der Erschwerung ihrer Lebensbedingungen und Spezialkriegsmethoden daran gehindert werden, nach Afrin zurückzukehren.

Der Plan: Den Widerstand in Sheba zu brechen, um sich Afrin zu sichern

An diesem Punkt spielt der nach der Besatzung von Afrin von Mitglieder des Kurdischen Nationalrates (ENKS) in Antep gegründete „Afrin-Rat“  als eine Kontra-Struktur im Spezialkrieg eine besondere Rolle1. Mit dieser Struktur wird propagiert, die Bedingungen in Sheba seien zu schwer, anstatt dort zu bleiben, solle man zurück nach Afrin, wo man keinerlei Repression vom türkischen Staat zu befürchten habe.

Mit dem Bruch der organisierten Haltung und Widerstands der ehemals aus Afrin vertriebenen und in Sheba angesiedelten Bewohner zielt man darauf ab,  Sheba zu räumen und mit Zustimmung Russlands für eine türkische Besatzung vorzubereiten. So möchte man mit der Besatzung von Sheba Afrin vollständig von den anderen Kantonen trennen, den Widerstand der YPG in Afrin beenden und eine mögliche Befreiungsoperation der YPG in Afrin verhindern.

  1. Der von den Besatzern geschaffene „Afrin-Rat“: https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/der-von-den-besatzern-geschaffene-afrin-rat-3390 []