Geschichte einfach so versetzen?

Ercan Ayboga, Initiative zur Rettung von Hasankeyf, für den Kurdistan Report Juli/August 2017
Am 12. Mai 2017 wurde das Zeynel-Bey-Mausoleum in Hasankeyf (kurdisch Heskîf) nach zwei Jahren Vorbereitung, Diskussion und Widerstand in ein Gebiet außerhalb des geplanten Ilısu-Stausees versetzt. Damit wird das kontrovers diskutierte Ilısu-Staudamm- und Wasserkraftwerks­projekt wieder in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Seit knapp zwanzig Jahren versucht der türkische Staat, dieses für ihn strategisch wichtige, aber für die Bevölkerung in vielerlei Hinsicht katastrophale Projekt am Tigris in Obermesopotamien zu realisieren. Begleitet von einem großen Polizeieinsatz hat das Konsortium aus der türkischen Er-Bu Inşaat und der niederländischen Bresser Eurasia BV das 550 Jahre alte berühmte Mausoleum in den geplanten »Archäologie-Park Hasankeyf« neben dem im Bau befindlichen »Neu-Hasankeyf« versetzt.… weiterlesen

Überall ist Sûr – Überall ist Cizîr

navdemSolidarität mit dem kurdischen Volk – Ein sofortiges Ende des  Belagerungs- und Vernichtungskrieges
Seit die Belagerungen der kurdischen Städte im Südosten der Türkei/Kurdistan sind zahlreiche Zivilisten ( vor allem Kinder, Frauen, ältere Menschen und Jugendliche)  getötet worden. Mehr als 200.000 Menschen sind innerhalb der Region auf der Flucht vor dem Staatsterror der Türkei. Bezirke der Städte sind zerstört und jegliche Grundversorgung wie Strom, Wasser und Nahrungsmitteln werden durch die Belagerungen nicht durchgelassen. Die Städte wie u.a. Sûr in Amed (tr. Diyarbakir) die unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbe stehen, sind komplett nieder gebombt.   Vor allem in Cizîr (tr.… weiterlesen

Forschungsergebnisse der Ökologiebewegung Mesopotamiens

FisBericht über die Umweltzerstörung in den von der Ausgangssperre betroffenen Gebieten in Nordkurdistan, Januar 2016
Nachdem die AKP-Regierung im Frühjahr 2015 den Verhandlungstisch mit der kurdischen Friedensbewegung umgestoßen hat, beeinträchtigt ein zunehmend gewaltsames Umfeld immer mehr das gesellschaftliche Leben und verursacht Tote bei einer zunehmenden Anzahl von Zivilisten, besonders Frauen und Kindern. Die türkische Regierung hat gegen Städte und Stadtteile, die im Sommer 2015 im kurdischen Südosten der Türkei (Nord-Kurdistan) ihre Selbstverwaltung erklärt haben, eine Ausgangssperre verhängt und vollständige Blockaden erzwungen. Das führt in diesen Kommunen zu systematischer Staatsgewalt und brachte enorme Zerstörung und Verlust von Sachwerten und Menschenleben.… weiterlesen

Türkische Armee brennt Wälder in Kurdistan nieder – Aufruf für eine internationale Delegation

ökologie_bewegungErcan Ayboga für die Mesopotamische Ökologiebewegung, 17.08.2015
Mit dem erneuten Beginn des Krieges in Nordkurdistan durch den türkischen Staat Ende Juli 2015 begann die türkische Armee, die Wälder niederzubrennen. Nach zweieinhalb Jahren der Verhandlungen über einen Friedensprozess zwischen der türkischen Regierung und der kurdischen Freiheitsbewegung entschied sich die türkische Seite, die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) und die Guerilla der HPG (Volksverteidigungskräfte), sowie legal handelnde politische AktivistInnen anzugreifen. In einer geplanten und systematischen Art und Weise schoss die türkische Armee mit Geschossen und Bomben in die Wälder, so dass sie sich entzündeten. Vor allem in den Provinzen Dersim (Tunceli), Şirnex (Şırnak) und Amed (Diyarbakır) verbrannte die Armee durch ihre Operationen gegen die HPG mehrere ökologisch hoch sensible Wälder.… weiterlesen

‘Der Peri-Fluss muss frei fließen’

Peri_FlussWiderstand gegen ein Staudammprojekt in der Osttürkei
von Benjamin Raßbach, 26.08.2014, Dersim
In ein oder zwei Monaten wird das Haus, in dem Zülfi und seine Brüder wohnen, unterhalb des Wasserspiegels liegen. Sie leben von ihren Ziegen, mit denen sie am Ufer des Flusses umherziehen – auf Weiden, die es auch bald nicht mehr geben wird. Die Arbeiten am Pembelik-Staudamm in der Osttürkei sind fast abgeschlossen. ‘Wir haben keine Ahnung, wohin wir gehen werden. Zu Verwandten in die Städte oder vielleicht in ein Dorf weiter oben in den Bergen. Sie haben uns nicht einmal Zelte gegeben’, erzählt er.… weiterlesen

Nein zur Atomkraft – auch in Anatolien!

nukleerAnti-Atom-Bewegung in der Türkei im Aufwind
Ercan Ayboga, Initiative zur Rettung Hasankeyfs
Auch die Regierung der Türkei plant seit vielen Jahren den Bau von Kernkraftanlagen, und das trotz des Super-GAUs in Japan im März 2011 und des in den letzten Monaten beschlossenen Ausstiegs bzw. Nicht-Wiedereinstiegs in drei europäischen Staaten; der BRD, Schweiz und Italien. Auch diese Atomkraftwerke sind wie viele andere Infrastruktur- und Energieprojekte in der Türkei sehr umstritten und werden von einer breiten Bewegung bekämpft. Ihre Argumente sind zu Recht denen in anderen Ländern ähnlich: Gefahr einer Explosion bzw. Zerstörung mit schwer voraussehbaren Folgen für die menschliche Gesundheit und Natur, ungelöste Frage der Endmülllagerung, hohe ökologische Belastung durch Abbau und Aufbereitung von Uran, kein Beitrag zur Beschränkung der Klimaveränderung, unkalkulierbare hohe gesellschaftliche Kosten etc.… weiterlesen

Staudammbau am Fluss Botan

botanVon den Flüssen des Lebens zu den Flüssen des Todes …
Murat Gürbüz, politischer Häftling im E-Typ-Gefängnis Sêrt (Siirt)
Die Türkei ist, was Staudämme angeht, ein sehr reiches Land. In Kurdistan ist fast jeder Bach, jeder Fluss, schon fast jeder Wasserlauf mit einem Staudamm ausgestattet. Und Kurdistan war anscheinend noch zu wenig, so entschied man sich ebenfalls für Staudämme in der Schwarzmeerregion der Türkei. Es steht außer Frage, dass die Menschheit Staudämme und den aus ihnen gewonnenen Strom benötigt. Aber noch vor Elektrizität und Strom ist für den Menschen eine gesunde Natur überlebensnotwendiger. Der Alkumru-Staudamm am Fluss Botan im Landkreis Tillo (Aydinlar), Provinz Sêrt (Siirt), sollte im Hinblick auf seine Vorteile für die regionale Bevölkerung näher betrachtet werden.… weiterlesen

Ilisu-Staudamm: Gerichtsurteil verhängt Baustopp

hasankeyfDer Widerstand gegen den zerstörerischen Staudamm kann noch Erfolg haben
Ercan Ayboga, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
Kaum jemand hatte es erwartet. Den Kampf gegen das Ilisu-Staudamm- und Wasserkraftwerksprojekt hielten nach dem Baubeginn 2010 und dem schwächelnden Widerstand in Türkisch-Kurdistan und in der Türkei fast alle für verloren und aussichtslos. In Heskîf (Hasankeyf), Ilisu, Elih (Batman), Istanbul, Wien und Berlin hatten viele ihren Mut und ihre Motivation verloren. So haben einige AktivistInnen sich zurückgezogen oder ihr Engagement zurückgefahren. Diejenigen, die weitermachten, hatten entweder noch den Glauben an einen Stopp oder taten es aus grundsätzlichen Gewissensgründen. Doch die 14.… weiterlesen

Bedrohte Natur Ostkurdistans

Ercan Ayboğa, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
Nachdem mir seit Sommer 2011 immer wieder etwas in die Quere gekommen war, schaffte ich es schließlich doch, in die Islamische Republik Iran zu reisen. Über den Grenzübergang Bajirge (Esendere)/Sero gelangte ich von Nord-(Türkisch-)Kurdistan nach Urmîya (Urmia), in die Stadt, in der KurdInnen und AserbaidschanerInnen (Azeris) gemeinsam leben. Während der ca. 50 km langen Strecke ging es aus dem Zagros-Gebirge langsam, aber stetig bergab, immer wieder durch Dörfer und kleine Ortschaften, die von kahlen Bergen umsäumt sind. Bergen, die mit Wäldern wunderschön aussehen würden. Das Fehlen von Wäldern in vielen Teilen Ostkurdistans fiel mir hier schon auf.… weiterlesen

Petition an die UNESCO für Hasankeyf und die Mesopotamischen Sümpfe!

hasankeyfErcan Ayboga, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
In den letzten zwei Monaten haben sich zwei Entwicklungen rund um den zerstörerischen Ilisu-Staudamm und das Thema Wasser als Konfliktstoff ergeben. Zum einen handelt es sich um das 6. Weltwasserforum und das Alternative Weltwasserforum (FAME) und zum anderen um eine Petition an die UNESCO gegen den Ilisu-Staudamm. Die genannte weltweit gestartete Petition an die UNESCO [Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur] wurde von insgesamt vier Organisationen aus dem Mittleren Osten initiiert; und zwar je eine aus der Türkei, dem Irak, Irakisch-Kurdistan und dem Iran. Das Zusammenkommen dieser zivilen Organisationen basiert hauptsächlich auf dem 2011 aufgebauten Netzwerk Ekopotamya, dessen Ziel die Kritik an der Wasserressourcen-Politik der Staaten Türkei, Irak und Iran und die Herausarbeitung von Alternativen ist (www.ekopotamya.org).… weiterlesen

Staudämme für die Sicherheit oder zur Verschärfung des Konflikts?

Ercan Ayboğa, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
Die Türkei baut seit drei Jahren Staudämme an der Grenze zum Irak – mit dem Ziel, die HPG-Guerilla zu bekämpfen Seit 2009 und verstärkt seit 2011 wird in der türkischen und kurdischen Öffentlichkeit immer wieder von Staudämmen berichtet, die an der Grenze zum Irak gebaut werden sollen oder bereits gebaut werden, um aus Sicht des türkischen Staates einen Beitrag zur „Sicherheit“ zu leisten. Sowohl türkische als auch kurdische Medien erwähnen insgesamt elf Staudämme auf Flüssen und Bächen in den bergigen Provinzen Şirnex (Şırnak) und Colemêrg (Hakkari), die die Bewegungsmöglichkeiten der kurdischen Guerilla HPG (Volksverteidigungskräfte), die seit vielen Jahren mit der türkischen Armee in militärischen Auseinandersetzungen steht, eingrenzen sollen.… weiterlesen

Ruhe vor dem nächsten Sturm am Tigris?

Stand beim Ilisu-Staudammprojekt
Ercan Ayboga, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
Über den geplanten Ilisu-Staudamm am Tigris in Türkisch-Kurdistan wird seit letztem Frühjahr relativ wenig berichtet. Es ist ruhiger geworden um dieses ökologische, soziale und kulturelle Zerstörung bringende Projekt, welches zu den umstrittensten der Welt gehört. Doch der Bau des Staudamms im und am Dorf Ilisu geht unvermindert weiter. Es wird in zwei Schichten 16 Stunden am Tag gearbeitet, manchmal sogar rund um die Uhr. Der Bau soll nach normalem Zeitplan 2016 beendet werden, die AKP-Regierung fordert, dass alles bis 2014 fertiggestellt wird. Da solche Mega-Projekte oft länger als geplant dauern, ist nicht mit einer Beendigung vor 2015 zu rechnen.… weiterlesen