Eine Karte von Kurdistan …

toplu_mezar_haritasi_haber_resmit_1328Spielt ihr keine Rolle bei diesen Massengräbern, für die ihr euch schämen solltet?
Mahmut Sakar, MAF-DAD e. V.
Während ich diesen Artikel schreibe, betrachte ich eine Landkarte. Es ist jedoch keine übliche Landkarte. Sie zeigt die Massengräber in Kurdistan. Die Zweigstelle Diyarbakir des IHD hat ausgehend nur von Zeugenaussagen und Presseinformationen die Existenz von 114 Massengräbern in 11 Provinzen festgestellt, in denen sich die sterblichen Überreste von 1469 Personen befinden. In den bisher geöffneten 26 Massengräbern fanden sich die Knochen von 171 Menschen. Die Weiten von Colemêrg (Hakkari) bis Dêrsim (Tunceli) sind voll von Massengräbern und Knochen von nicht identifizierten Personen.… weiterlesen

Die Massengräber öffnen – das Schweigen brechen…!

ihdDiejenigen, die sich der dunklen Seite der Vergangenheit nicht stellen, können auch keine ehrenhafte Zukunft aufbauen
Pressekonferenz des Menschenrechtsverein (IHD) Zweigstelle Diyarbakır zu den Ergebnissen seiner Untersuchungen, 11.02.2011
Werte Pressevertreter und Pressevertreterinnen, Wir sind heute zusammengekommen, um die Öffentlichkeit über die Ergebnisse unserer Bemühungen bezüglich der Massengräber zu informieren, die in ihrer ganzen Grauenhaftigkeit in unser Leben getreten sind; dabei wollen wir die Öffentlichkeit auch über die beharrliche Weigerung der türkischen Eliten seit der Gründung der Republik Türkei bis zum heutigen Tage in Kenntnis setzen, die Kurdenfrage einer Lösung zuzuführen, und die Öffentlichkeit über die schreck­lichen Folgen eben dieser vorsätzlichen Indifferenz aufklären.… weiterlesen

Von der Wissensfabrik des Kapitals zur Freiheit menschlicher Erkenntnis

annaVortrag von Ann-Kristin Kowarsch am 4. Februar 2012 in der Universität Hamburg
Der Königsweg menschlicher Erkenntnis in seiner säkularen und diesseitigen Form verläuft durch die Wissenschaften. Wurde einst dem Anliegen der Emanzipation und Befreiung insbesondere in der Philosophie Rechnung getragen, so sind die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften im postmodernen Kapitalismus als Agenturen historischer und sozialer Deutungsmacht unter die Räder des zweck- und nutzorientierten Verwertungsprimats der führenden gesellschaftlichen Akteure geraten. Wurde die Freiheit von Forschung und Lehre einst dem absolutistischen Herrschaftsanspruch von Thron und Altar in bisweilen lebensgefährlichen Kämpfen abgerungen, so neigt sie in ihrer neoliberalen Wendung dazu, dem humanistischen Auftrag der Wissenschaften durch ideologische, institutionelle und berufsständische Interessen zuwiderzuhandeln.… weiterlesen

Befreiung aus mehrfacher Unterdrückung

kariane westrheimDie Frauen in der PKK und die kurdische Freiheitsbewegung
Prof. Dr. Kariane Westrheim, PhD in Psychologie, Norwegen Würden wir uns einmal zu Ahnenforschung bei kurdischen Frauen entscheiden, dann würden wir uns mit ziemlicher Sicherheit in Sphären begeben, die von Krieg und politischer Konfrontation bestimmt werden. Diese Frauen waren und sind stets auf der Suche nach einer gerechten Gesellschaft und müssen dabei gleichzeitig stets Widerstand leisten gegen die Unterdrü¬ckungspolitik des Staates. Zunächst einmal müssen alle Frauen, insbesondere politisierte Frauen in einem patriarchalen Umfeld, sich bewusst machen, in was für einem historischen und politischen Raum-Zeit-Gefüge sie sich bewegen.… weiterlesen

Vom Antikolonialismus zu Kommunalismus und Konföderalismus

reimar_heiderVortrag von Reimar Heider am 4. Februar 2012 in der Universität Hamburg
(…) Die demokratisch-konföderalistische Gesellschaft kann als eine Vertiefung und Erweiterung von Demokratie beschrieben werden. Im Sinne einer Vertiefung werden Gremien und Organisationsformen geschaffen, die eine direkte Beteiligung an politischen Entscheidungsprozessen gewährleisten. Dem kapitalistischen Nationalstaat, der einen uniformen Bürger, eine einheitliche Sprache und eine bestimmte Ideologie erzwingt und wie im Falle des türkischen auch eine bestimmte Religion bevorzugt, setzt der Konföderalismus den Ansatz diverser Gemeinschaften entgegen, die jeweils ihre eigene Sprache, Kultur und gesellschaftliche Organisation behalten und nicht gegeneinander agieren, sondern ein Netzwerk bilden, das den Staat ersetzen soll.… weiterlesen

Vom Marxismus zu Kommunalismus und Konföderalismus: Bookchin und Öcalan

janet_biehlVortrag der amerikanischen Ökofeministin Janet Biehl, 05.02.2012
Zu den wichtigsten linken Theoretikern, deren Ideen vom 3. bis zum 5. Februar auf der Konferenz “Die kapitalistische Moderne herausfordern – Alternative Konzepte und der kurdische Aufbruch” diskutiert wurden, gehörten zweifelsohne Murray Bookchin, der 2006 verstorbene Vordenker der Anti-Kapitalismusbewegung unserer Tage, und Abdullah Öcalan, der seit 1999 in der Türkei inhaftierte Anführer der kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Über das wenig bekannte intellektuelle Verhältnis beider Männer berichtete am dritten und letzten Tag des Kongresses, im Rahmen der Session “Ein neues Paradigma: demokratische Moderne” Bookchins Lebensgefährtin Janet Biehl, die selbst seit über zwanzig Jahren als eine der führenden Ökofeministinnen Amerikas gilt.… weiterlesen

Staudammbau am Fluss Botan

botanVon den Flüssen des Lebens zu den Flüssen des Todes …
Murat Gürbüz, politischer Häftling im E-Typ-Gefängnis Sêrt (Siirt)
Die Türkei ist, was Staudämme angeht, ein sehr reiches Land. In Kurdistan ist fast jeder Bach, jeder Fluss, schon fast jeder Wasserlauf mit einem Staudamm ausgestattet. Und Kurdistan war anscheinend noch zu wenig, so entschied man sich ebenfalls für Staudämme in der Schwarzmeerregion der Türkei. Es steht außer Frage, dass die Menschheit Staudämme und den aus ihnen gewonnenen Strom benötigt. Aber noch vor Elektrizität und Strom ist für den Menschen eine gesunde Natur überlebensnotwendiger. Der Alkumru-Staudamm am Fluss Botan im Landkreis Tillo (Aydinlar), Provinz Sêrt (Siirt), sollte im Hinblick auf seine Vorteile für die regionale Bevölkerung näher betrachtet werden.… weiterlesen

Ilisu-Staudamm: Gerichtsurteil verhängt Baustopp

hasankeyfDer Widerstand gegen den zerstörerischen Staudamm kann noch Erfolg haben
Ercan Ayboga, Initiative zur Rettung von Hasankeyf
Kaum jemand hatte es erwartet. Den Kampf gegen das Ilisu-Staudamm- und Wasserkraftwerksprojekt hielten nach dem Baubeginn 2010 und dem schwächelnden Widerstand in Türkisch-Kurdistan und in der Türkei fast alle für verloren und aussichtslos. In Heskîf (Hasankeyf), Ilisu, Elih (Batman), Istanbul, Wien und Berlin hatten viele ihren Mut und ihre Motivation verloren. So haben einige AktivistInnen sich zurückgezogen oder ihr Engagement zurückgefahren. Diejenigen, die weitermachten, hatten entweder noch den Glauben an einen Stopp oder taten es aus grundsätzlichen Gewissensgründen. Doch die 14.… weiterlesen

Die Imrali-Gespräche

Abdullah Öcalan Imrali-Gespräche, Civaka Azad Nr. 3, März 2013
Schwerpunkt dieser Ausgabe sind die „Imrali- Gespräche“. Nachdem der türkische Ministerpräsident Erdogan Ende Dezember 2012 die Wiederaufnahme der Gespräche des türkischen Staates mit dem auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftierten PKK- Vorsitzenden Abdullah Öcalan bestätigte, besuchten im Januar und im Februar zwei Delegationen der Partei für Frieden und Demokratie (BDP) Öcalan. In dieser Ausgabe der Civaka Azad – Infoblätter wird versucht den Rahmen zu skizzieren, der für Friedensverhandlungen geschaffen werden muss. Die Einflussfaktoren sowohl innenpolitischer Art, als auch im Hinblick auf die regionalen Veränderungen werden in der Analyse impliziert.  Daneben wird ein historischer Ablauf der Friedensbestrebungen vom PKK Vorsitzenden Öcalan und seinen Gesprächen mit verschiedenen Staatsvertretern seit ’93 bis heute aufgezeigt.… weiterlesen

183 Minderjährige in der Regierungszeit der AKP getötet

ermordete kindernEine Realität, die das letzte Viertel-Jahrhundert der Türkei prägt, sind die Morde an Kindern und Jugendlichen. Die türkische Regierung, die vorgibt die kurdische Frage lösenzuwollen, wird auch mit annähernd 570 getöteten Kindern, wie Ugur Kaymaz, Enes Ata und Ceylan Önkol, konfrontiert. Nach den Angaben der Zweigstelle des Menschenrechtsvereins IHD in Amed sind während der Regierungszeit der AKP 183 Kinder und Jugendliche ermordet worden. Im Jahr 2012 waren es Zehn. Die Verantwortlichen für die Morde sind trotz klarer Beweise niemals zur Rechenschaft gezogen. Die folgende Liste der Schande wird immer noch in der Türkei verheimlicht. Es sind Fälle, die immer noch auf ihre Aufklärung warten.… weiterlesen

„Öcalan ergreift die Initiative im gegenwärtigen Prozess“

demirtas_1BDP-Co-Vorsitzender Selahattin Demirtas im Gespräch mit der Tageszeitung Yeni Özgür Politika, 19.04.2013
Selahattin Demirtas, Co-Vorsitzender der Partei für Frieden und Demokratie (BDP), befand sich in der vergangenen Woche für einige Gespräche und die Konferenz mit dem Titel „Die Lösung der kurdischen Frage im zukünftigen Syrien“ in Berlin. Im Rahmen seiner Reise beantwortete Demirtas die Fragen von Deniz Başpenir und Murat Alpavut für die Tageszeitung „Yeni Özgür Politika“ zum gegenwärtig viel diskutierten möglichen Friedensprozess in der kurdischen Frage. Im Folgenden wird das Interview in verkürzter Form wiedergegeben. Es ist unverkennbar, dass mit dem neuen Prozess auf die politischen Akteure viel Arbeit wartet.… weiterlesen

Öcalans historische Erklärung zu Newroz 2013

newroz 2013Abdullah Öcalan, 21. März 2013, Gefängnis Imrali
Ich gratuliere zum Newrozfest der Freiheit der Unterdrückten. Ich grüße die Völker des Mittleren Ostens und Zentralasiens, die Newroz, den Tag des Erwachens und des neuen Lebens, gemeinsam und in großer Zahl feiern. Gegrüßt seien die Geschwistervölker, die Newroz, das Licht und den Beginn einer neuen Ära, mit Begeisterung und in demokratischer Toleranz feiern. Gegrüßt seien alle, denen demokratische Rechte, Freiheit und Gleichheit auf ihrer langen Reise den Weg weisen. Euch grüßen von den Hängen von Zagros und Taurus, aus den Tälern von Euphrat und Tigris die Kurden, eines der ältesten der antiken Völker, das in Anatolien und Mesopotamien die Landwirtschaft, die dörfliche und die städtische Zivilisation hervorgebracht hat.… weiterlesen

„Wenn Ihr die Medien zum Schweigen bringt, bringt Ihr auch das Volk zum Schweigen“

ahmet şıkPressefreiheit in der Türkei
Ahmet Sik im Gespräch mit Nihal Bayram, Yeni Özgür Politika 17.12.2012
Der Journalist Ahmet Sik saß wegen seiner Recherchen zur Gülen-Bewegung ein Jahr lang im Gefängnis. Verhaftungsgrund war angebliche „Unterstützung einer terroristischen Vereinigung“. Nach seiner Verhaftung im März 2011 wurde das Manuskript seines Buches „Die Armee des Imam“ (Imamin Ordusu) beschlagnahmt. Darin wird beschrieben, wie die Gülen-Bewegung auf die türkischen Sicherheitsbehörden, vor allem auf den Polizeiapparat, Einfluss nimmt. Damit war Sik in der Türkei als kritischer Journalist im Visier der Sicherheitskräfte. Nihal Bayram führte mit Ahmet Sik ein Interview über die Medien, die Meinungsfreiheit und die inhaftierten JournalistInnen in der Türkei.… weiterlesen

Nicht ohne Abdullah Öcalan

Norman Paech, Völkerrechtler, 01.03.2013

Nelson Mandela musste 27 Jahre auf Robben Island vor der Küste Südafrikas warten, ehe die südafrikanische Regierung unter Frederik deKlerk die Realitäten anerkannte, dass es ohne die unumstrittene Führungsfigur des mächtigsten Gegners keinen Frieden im Lande geben werde. Abdullah Öcalan ist jetzt bereits 13 Jahre auf Imrali und Recep Tayyip Erdoğan scheint es allmählich zu dämmern, dass der schwelende Krieg im eigenen Land nicht ohne die zentrale Persönlichkeit der Kurden befriedet werden kann. Und diese Persönlichkeit ist nach wie vor Abdullah Öcalan. Man hat immer wieder versucht, ihn durch verschärfte Isolierung aus dem Gedächtnis der Kurdinnen und Kurden zu streichen – vergebens. Wie oft hat man versucht, ihn durch andere Personen zu ersetzen – und es gibt hervorragende Persönlichkeiten zwischen Istanbul und Diyarbakir. Aber niemand hat die Ausstrahlungskraft, die historische und charismatische Legitimation eines Abdullah Öcalan. In ihm bündeln sich die verschiedenen Strömungen und Kräfte der Kurden.

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Abdullah Öcalan: Wir haben dem Staat unser Lösungsprojekt vorgelegt

Abdullah ÖcalanAm 18. Februar 2013 wurde dem auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftierten PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan der Besuch seines Bruders, Mehmet Öcalan, gestattet. Am Folgetag berichtet Mehmet gegenüber der Nachrichtenagentur Dicle (DIHA), was sein Bruder ihm während ihrer 45-minütigen Gesprächszeit mitgeteilt hat. 
Mehmet Öcalan erklärte, dass sein Bruder sich in einer guten Verfassung befand. Zunächst hätte Abdullah Öcalan ihn gefragt, wie die öffentliche Meinung gegenüber der aktuellen Phase sei. „Ich habe ihm mitgeteilt, dass etwa 70% der Öffentlichkeit die Phase als wichtig bewerten. Aber sie wollen auch, dass die Phase richtig und ernsthaft geführt und nicht für irgendwelche Täuschungsversuche instrumentalisiert werden sollte“, so Mehmet Öcalan.… weiterlesen

Rochade à la Turca – Mach’ es noch einmal, Sam!

internationale institut für freieden für ÖcalanPresseerklärung der Internationalen Initiative “Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan” anlässlich des 14. Jahrestags der Verschleppung Abdullah Öcalans, 15. Feburar 2013
14 Jahre nach der Verschleppung Abdullah Öcalans im Rahmen einer internationalen Geheimdienstoperation ist die kurdische Frage in der Türkei aktueller denn je. Daran konnte auch diese völkerrechtswidrige Aktion nichts ändern. Einst zum »Staatsfeind Nr. 1« stilisiert, sprechen führende türkische Politiker heute von »Imrali«, womit es zu verhandeln gelte, wenn das leidige Problem vom Tisch kommen soll. Imrali, die Gefängnisinsel im türkischen Marmarameer, auf der Abdullah Öcalan gefangen gehalten wird, steht einerseits für Völkerrechtsbruch, Isolationsfolter, staatliche Willkür und Rechtsstaatslosigkeit; andererseits gilt sie nicht wenigen als »treibendes Zentrum« eines langwierigen und blutigen Einigungsprozess zwischen dem türkischen Staat und der emanzipierten kurdischen Bevölkerung, die beharrlich auf ihre bürgerlichen Rechte pocht.… weiterlesen

Ohne Gerechtigkeit kein Frieden

roboskiDas Massaker von Roboskî als Mahnung
Ferhat Encü, dessen Bruder beim Massaker von Roboskî getötet wurde
Anlässlich des Jahrestages des Massakers von Roboskî und aufgrund der Tatsache, dass die Verantwortlichen für dieses Menschenrechtsverbrechen wie schon so oft zuvor in der Türkei offiziell unbehelligt bleiben sollen, dokumentieren wir hier die Rede Ferhat Encüs, des Bruders eines der 34 Toten dieses Massakers, im Forum I – Wohin geht der türkisch-kurdische Konflikt? – auf der 9. Internationalen Konferenz der »EU Turkey Civic Commission« (EUTCC), die am 5. und 6. Dezember 2012 im EU-Parlament in Brüssel stattfand. Sehr geehrte Damen und Herren, durch die Bombardierung von Zivilisten aus den Dörfern Bejuh (Gülyazi) und Roboskî (Ortasu) in der Provinz Sirnex (Sirnak) in der Nacht des 28.… weiterlesen

Die Türkei – eine Schreckensherrschaft!

GefangnissJuristische Repression unter der AKP
Maxime Azadi, Journalist, 3. Dezember, ANF
Das Regime der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) in der Türkei hat allein im vergangenen November über 1.000 Menschen verhaftet, darunter mehr als 230 Kinder [in diesem Zusammenhang alle Minderjährigen unter 18 Jahren] und 300 SchülerInnen und StudentenInnen. Raci Bilici, Vorsitzender des Menschenrechtsvereins IHD in Amed (Diyarbakir), reagierte darauf mit den Worten: „Damit wird eine Atmosphäre der Schreckensherrschaft geschaffen. Man versucht, neue Ängste zu schüren, indem die gesamte Gesellschaft kriminalisiert wird.“ Nachdem die türkische AKP inmitten einer immensen Wirtschaftskrise an die Regierungsmacht gekommen war, riss sie zunächst die Kontrolle über die Medien, die Geheimdienste, Polizei und Armee an sich und hat danach, vor allem ab 2009, eine regelrechte Hexenjagd auf KurdInnen sowie auf alle Oppositionellen, die sich mit den KurdInnen solidarisierten, begonnen.… weiterlesen

Was muss getan werden?

ozgur_sevg_goralAnstieg der Fälle von Gewalt gegen Frauen in der Türkei
Özgür Sevgi Göral, Anwältin und Wissenschaftlerin
Mein Beitrag thematisiert die Frauen- und Ehrenmorde, die ein zentrales und dringlichstes Problem in der heutigen Türkei darstellen. Der Grund, diese Problematik als so zentral und dringlich zu kategorisieren – obwohl es zahllose weitere Probleme von Gewalt und Unterdrückung gibt, mit denen Frauen konfrontiert sind –, ist die Tatsache, dass das Recht auf Leben ein fundamentales Recht ist. Themen wie Militarismus, Nationalismus, Chauvinismus und Frauenfeindlichkeit können ebenfalls nicht verschwiegen werden, wenn Frauenmorde genau betrachtet und analysiert werden. Lassen Sie uns mit den tragischen Fakten beginnen: In den letzten zehn Jahren wurden tausende Frauen ermordet.… weiterlesen

Neubestimmung von Politik und Demokratie im Mittleren Osten

Joost JongerdenRede auf der 9. Internationalen EUTCC-Konferenz zur Türkei und den Kurden
Joost Jongerden, Soziologe
Vor einigen Wochen war ich in Istanbul. Dort habe ich mir für meinen Rückflug nach Amsterdam das neue Buch von Cengiz Çandar mit dem Titel »Mezopotamya Ekspresi« (zu Deutsch »Mesopotamien-Express«) gekauft. Das Buch war schnell zu lesen und verfügte zugleich über eine Vielzahl von wichtigen Details. Eine Botschaft des Buches würde ich gerne mit Euch hier teilen; sie lautet, dass wir die Dinge beim Namen benennen sollten. Um seine Botschaft zu untermauern, greift Çandar in seinem Buch auf ein Zitat des Literatur-Nobelpreisträgers von 1998 José Saramago zurück, welches lautet: »Worte wurden den Menschen nicht dafür gegeben, um Gedanken zu verschweigen.« Für Çandar bedeutet, die Dinge beim Namen zu nennen, auch, dass die kurdische Frage nicht in weitschweifenden Umschreibungen beschrieben werden sollte, sondern eben als kurdische Frage benannt werden sollte.… weiterlesen