Irak/Südkurdistan: Mindestens 60 Menschen durch Selbstmordanschläge getötet

logoPressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 29.04.2014
Kurz vor den morgigen Parlamentswahlen im Irak sind bei Anschlägen mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Mindestens 30 Menschen starben in der von der Kurdischen Regionalregierung (KRG) und der Zentralregierung in Bagdad umstrittenen Stadt Chanakin, die sich Norden des Landes befindet. Der Anschlag ereignete sich bei einer Feier von Sympathisanten der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), welche gerade eine Videobotschaft des irakischen Präsidenten und Vorsitzenden der PUK, Dschalal Talabani, ansahen. Talabani befindet sich derzeit in medizinischer Behandlung in Berlin. Laut Pukmedia bekannte sich die Gruppe ,,Islamischer Staat in Irak und Syrien“ (ISIS) zu dem Anschlag in Chanakin.… weiterlesen

Ist der Wunsch nach Trennung vom Irak eine kurdische oder eine PDK-Perspektive?

südkurdistan-iraq mapvon Nihat Kaya, Journalist, Erbil, 10.03.2014
Dem von Masud Barzani, Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Irak, offen formulierten Wunsch nach der Trennung vom Irak ging ein heftiger Streit mit der irakischen Zentralregierung um den illegalen Verkauf von Öl an die Türkei voraus. Dieser Streit mündete zuletzt im Konflikt um das Budget der Zentralregierung in Bagdad für die autonome Region Kurdistan. Masud Barzani hat erst kürzlich bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Chemiewaffenangriffs auf Halabja offen seine Wut zum Ausdruck gebracht und bekundet, “dass unter diesen Umständen ein gemeinsames Leben keinen Sinn mehr macht”. Diese Rede bedroht offensichtlich die Demokratie, den Föderalismus und somit eine gemeinsame Zukunft im Irak.… weiterlesen

Südkurdistan: Regierungskrise oder Systemkrise?

südkurdistanNihat Kaya, Journalist, Erbil, 10.02.2014
Seit den Parlamentswahlen in Südkurdistan vom 21. September sind mittlerweile fast fünf Monate vergangen. Noch konnte bis dato allerdings keine Regierung gebildet werden. Und wie lange es noch dauern wird, bis dies geschieht, ist nicht abzusehen. Doch es ist nicht nur diese politische Frage, die die Menschen in Südkurdistan derzeit beschäftigt. So wird das Leben für die Bevölkerung immer teurer, die Arbeitslosenzahlen steigen an, viele Arbeitgeber zahlen derzeit die Löhne ihrer Arbeiter nicht aus und die Banken verfügen kaum über Anlagen. Die wirtschaftlichen Fragen bedrücken derzeit noch mehr als die politischen Fragen die Bevölkerung.… weiterlesen

Die tragische Lage der Frauen in Südkurdistan

sdkurdistan_schweigende_frauenNur die Frauen selbst können sich helfen N. Deniz Bilgin, Journalistin
Südkurdistan ist eines der Gebiete, in denen Frauen von Männern beherrscht werden, in denen sie Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt sind. Während sie im Schatten der Männer nicht mit ihrer eigenen Identität in der Politik vertreten sein können, werden sie ermordet, verbrannt, missbraucht und vergewaltigt. In jedem Lebensbereich in Südkurdistan herrscht Gewalt gegen Frauen wie Genitalverstümmelung, Mord, Verbrennung, Missbrauch, Vergewaltigung, Selbsttötung, Verkauf ihrer Körper. Das schlimmste Ausmaß nimmt die Gewalt an bei der Selbsttötung der Frauen durch Selbstverbrennung. Allerdings werden etliche Frauen von Verwandten verbrannt und dies wird dann als Suizid dargestellt.… weiterlesen

Schicksale von Menschen im Flüchtlingslager Maxmur

asya»Ich warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem wir geschwisterlich zusammenleben werden« Tugçe Tatari, Journalistin
Wahre Lebensgeschichten zu berühren, Menschen kennenzulernen und Gast in ihrem Leben sein zu können, ist faszinierend. Doch auch wenn der Mensch denkt, die Geschichte selbst zu schreiben, ist es eigentlich die Geschichte selbst, die einen formt … Das Camp Maxmur, das von einigen als »Terrorunterstützung« und von anderen als »Denkmal des Lebens für den Widerstand« angesehen wird, ist ein mitten in der Wüste aufgebautes Lager. Es handelt sich um einen Ort, der mitten im Nirgendwo aufgebaut wurde. Die Türkei forderte mehrfach, dass es aufgelöst werden solle.… weiterlesen

Quo vadis Südkurdistan?

Wenn in der Bevölkerung Wut und Unmut wachsen …
Eine Analyse von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e. V.*
In Südkurdistan fanden am 21. September 2013 Regionalwahlen statt. Eine demokratische Regionalregierung, die die Bevölkerung in die Politik einbezieht und den »Reichtum« der Herrschenden durch Öleinkommen umverteilt, wird es aber in absehbarer Zeit weiterhin nicht geben. Die kriegsmüden Menschen im Irak wünschen sich seit Jahren nichts sehnlicher als endlich Frieden und eine ausreichende Teilhabe am Wohlstand. Die Gewinne aus dem Ölgeschäft würden im Grunde genommen ausreichen, um allen Menschen im Irak einen guten Lebensstandard zu garantieren.… weiterlesen

Die Demokratisierung Südkurdistans ist ein dringendes Bedürfnis

Südkurdistan vor dem kurdischen Nationalkongress und der Präsidentschaftswahl
Interview mit Diyar Xerîb, Kovorsitzender der Partei für eine Demokratische Lösung in Kurdistan (PÇDK)

Wie bewerten Sie die Lage Kurdistans, insbesondere Südkurdistans, wo gerade einerseits die Vorbereitungen für den kurdischen Nationalkongress stattfinden und andererseits der Wahlkampf begonnen hat?

Bekanntlich stecken die Welt und der Mittlere Osten in einer schweren Krise. Es herrscht ein umfassendes Chaos. Auf der einen Seite die fortgeschrittenen Forderungen des Volkes und der unterschiedlichen Teile der Gesellschaft, was dem in der Region herrschenden System Unbehagen bereitet. Andererseits sind auch technologische Fortschritte zu verzeichnen, die dem autoritären System erhebliche Sorgen und Schwierigkeiten bereiten. Das ist auch der Grund für die umso dringlichere Notwendigkeit eines Wandels, für eine Erneuerung des Systems.

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Riesige Flüchtlingsströme aus Rojava erreichen Südkurdistan

semalkaPressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 21.08.2013
Allein seit dem 15. August sind 30.000 Menschen nach Südkurdistan geflohen – Scharfe Kritik aus Rojava gegenüber der südkurdischen Regierung Infolge der anhaltenden Angriffe islamistischer Gruppen und des Baath-Regimes auf die kurdischen Siedlungsgebiete in Syrien (Rojava), haben sich binnen kürzester Zeit riesige Flüchtlingsströme in Richtung Südkurdistan (Nordirak) gebildet. So sind nach Angaben der UN nach Öffnung des Grenzübergangs in Semalka rund 30.000 Menschen nach Südkurdistan geflüchtet. Eine vor Ort tätige Mitarbeiterin der US-amerikanischen Flüchtlingsorganisation „International Rescue Committee“ (IRC) sprach davon, dass sie Flüchtlingsströme von solchem Ausmaß noch nie miterlebt hätte.… weiterlesen

Das Hauptproblem im Irak ist die Unterdrückung der Frau

frauen irakFrauen aus Südkurdistan und Irak auf der ersten Frauenkonferenz des Mittleren Ostens
DIHA, Ankara, Juni 2013
Frauen aus Südkurdistan und dem Irak nahmen an der unter der Leitung der Bewegung Demokratischer Freier Frauen (DÖKH) organisierten ersten Frauenkonferenz des Mittleren Ostens (31.05-02.06.2013) teil und diskutierten ihre Probleme. Die südkurdische Abgeordnete im irakischen Parlament und wichtige Figur in der Forschung für Frauenrechte im Irak, Houzan Mahmoud, erläutert: „Wenn wir uns die Situation in Südkurdistan ansehen, stellen wir fest, dass Frauen in den letzten 22 Jahren einige Rechte erlangt haben. Doch das Problem ist die Umsetzung dieser Gesetze. Leider finden Massaker, Unterdrückung und Gewalt an Frauen ihre Fortsetzung.… weiterlesen

Das Schmieden des kalten Eisens oder Die Demokratische Autonomie

Zur Situation im Irak
Necîbe Qeredaxî, Journalistin
Die innerstaatliche Krise im Irak sollte nicht isoliert betrachtet werden. Schon aufgrund seiner geografisch zentralen Lage im Mittleren Osten kann von einer enormen Bedeutung dieser Krise für den Mittleren Osten selbst und sogar für die ganze Welt gesprochen werden. Zumal es Bestrebungen gibt, ähnlich wie nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, den Mittleren Osten neu aufzuteilen und umzustrukturieren, und zwar nicht, um ein demokratisches System zu installieren, sondern um die Interessen von Großkapital und Unterdrückern zu wahren. Im Mittleren Osten treffen mehrere Interessenlagen aufeinander. Es gibt eine ganz klare Frontlinie zwischen SchiitInnen und SunnitInnen.… weiterlesen

„Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Kurden sein“

bootan-tahsenBootan Tahsen im Interview mit Hülya Tektas, 20.03.2013
Bootan Tahsen, der Chefredakteur der kurdischen Tageszeitung „Bas News“, spricht im Interview mit M-MEDIA über die Politik, Religionen und die Objektivität der Journalisten in der autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Die Fragen stellte Hülya Tektas. M-MEDIA: Woher kommt Ihr Interesse für die Politik? Bootan Tahsen: Mein Vater wurde 1988 mit vielen anderen Kurden aufgrund seines politischen Engagements ermordet. Die Zerstörung und Bombardierung vieler Dörfer, die Ermordung der politisch aktiven Kurden, Zwangsumsiedlungen und diverse andere Repressionen ließen Kurden keine andere Wahl, als sich politisch zu engagieren. Meinen Sie damit auch Kurden in der Türkei, im Iran und in Syrien?… weiterlesen

Die Lösungen für die Probleme sind in den Ländern selbst zu suchen

haritaIm Irak Kerkûk, in Syrien Serê Kaniyê
Xalid Abdullah, Journalist, Westkurdistan 27.11.2012
Das Chaos im Mittleren Osten steigert sich vor allem im Irak und in Syrien. Auch wenn es durch den Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas ein wenig ruhiger erscheint, reicht das jedoch nicht aus, dieses Bild zu verändern. Der Krieg in Syrien, der in Damaskus, Homs und Heleb (arab. Aleppo) stattfindet, verlagert sich nun auch in die kurdischen Regionen. Seit Tagen gibt es Berichte über Kämpfe in Serê Kaniyê (Ras al-Ayn) und Umgebung. Die ca. 50’000 Einwohner des Bezirks von Serê Kaniyê, das offiziell zu Hesîçe (Al-Hasaka) gehört, leben größtenteils von der Landwirtschaft.… weiterlesen

Hintergründe zu den Anschlägen von Kirkuk

kirkukCan Çiçek, Mitarbeiter von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 06.02.2013
In den Morgenstunden des 03. Februar 2013 kam es erneut zu Anschlägen in der südkurdischen / nordirakischen Stadt Kirkuk, bei denen aktuellen Berichten zufolge 25 Menschen ums Leben kamen und etwa 100 Menschen verletzt wurden. Augenzeugenberichten zufolge zündeten zwei Selbstmordattentäter Sprengsätze, während eine Gruppe versuchte das Polizeipräsidium der Stadt einzunehmen. Bereits am 16. Januar war eine Bombe vor dem Parteigebäude der Demokratischen Partei Kurdistan (PDK) gezündet worden. Dabei starben 21 Menschen, 150 wurden verletzt. Schwerbewaffnete Gruppen griffen das Gebäude der PDK bereits am vergangenen Silvesterabend an.… weiterlesen

Kurden im Strudel des Irak

kurden irakEin Blick in die machtpolitischen Abgründe
Savas Andok
Zurzeit nehmen die Interventionen internationaler Mächte im Nahen Osten zu. Nach der Intervention in Libyen richten sich die Augen auf Syrien, wo der Druck auf das Assad-Regime jeden Tag stärker wird. Dass das Assad-Regime einen Vorposten bzw. eine Front für den Iran darstellt, ist weithin bekannt. Die Islamische Republik Iran gibt sich jede Mühe, um das Regime in Syrien auf den Beinen zu halten. Dies ist der Grund für die gegenseitigen Manöver zwischen den intervenierenden und jenen Kräften, die die alte Ordnung aufrechterhalten wollen. Während die internationalen Mächte mit ihren Bündnispartnern in der Region den Iran mit wirtschaftlichen Sanktionen oder militärischer Intervention bedrohen, bringt der Iran als Reaktion andere Abwehrmechanismen in Stellung.… weiterlesen

Das Leben der Frauen in Südkurdistan

guneykurdEin langatmiger Kampf um eine bessere Zukunft
Medya
Medya lebt seit nunmehr 20 Jahren in Kurdistan. Als gelernte Altenpflegerin ging sie in die Berge. Sie ist Teil eines Ärzteteams, das sich in den Dörfern und auf den Hochalmen der Kandil-Berge in Südkurdistan um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung kümmert. Wenn es ihre Zeit und die Situation erlauben, sendet sie uns einen Brief über ihr Leben in Südkurdistan. Mit diesem Brief will sie uns die alltägliche Situation der kurdischen Frau näherbringen. Das Leben der Frauen hier in Südkurdistan [Nordirak] verständlich zu machen ist nicht ganz einfach, weil es für den Menschen in Europa nicht so leicht nachvollziehbar ist, denn Frau lebt hier ganz anders.… weiterlesen

„Ein kurdischer Staat ist keine geeignete Lösung“

Interview mit Neejiba Omar, der Co-Vorsitzenden der PÇDK
Neejiba Omar wurde am 01.07.1971 in Sulemaniyah, Kurdistan-Irak, geboren. Sie ist Absolventin der Wirtschaftswissenschaften der Universität Sulemaniyah. Seit 1992 arbeitete sie für diverse NGOs und Frauenbewegungen auf ehrenamtlicher Basis. Sie ist Mitglied der Frauenbewegung für Freiheit (RJAK) und Co-Vorsitzende der Partei für eine Demokratische Lösung in Kurdistan (PÇDK). Das Interview führte Mehmet Emin Orhan am 14.03.2012.
Können Sie zunächst etwas über Ihre Partei und deren Entstehungsgeschichte erzählen?
Unsere Partei ist eine Oppositionspartei in der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Sie wurde am 05.03.2002 zu einer Zeit gegründet, als sich der Sturz des diktatorischen Saddam-Hussein-Regimes schon längst abgezeichnet hatte und eine Veränderung bevorstand.… weiterlesen

Eine schwierige Phase

barzani_erdoganÜber den Besuch von Mesut Barzani in der Türkei Adil Bayram
Dr Besuch des Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan, Mesut Barzani, vom19. bis zum 20. April in unserem Land [Türkei] ist ein aktuelles und wichtiges Thema. Er hatte sich mit allen staatlichen Stellen getroffen, so dass man sich fragt „Wie weit ist er gekommen?“ Der Reihe nach hat er den Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, Außenminister Ahmet Davutoglu, Staatspräsident Abdullah Gül und abschließend die Co-Vorsitzenden der BDP getroffen. Die Treffen waren pompös. In den Gesichtern spiegelten sich während der Begegnungen die Verunsicherungen der schwierigen Phase wieder. Es ist bekannt, dass der Präsident der Autonomen Region Kurdistan über die USA und Europa nach Istanbul gekommen ist.… weiterlesen