Einige Worte zum Israel-Palästina Konflikt

israel-palästinavon Civaka Azad, 21.07.2014
Die Arbeiten unseres Zentrums konzentrieren sich zwar in erster Linie auf die Entwicklungen in den verschiedenen Teilen Kurdistans, doch dieser Tage sind wir auch oft mit unseren Gedanken bei einem anderen brennenden Konflikt im Nahen Osten, dem Israel-Palästina Konflikt. Wir maßen uns an dieser Stelle keine tiefgehende Analyse des Konflikts an. Da gibt es sicherlich Expertinnen und Experten, die das besser können als wir. Dennoch erschüttert es uns doch sehr, dass durch die erneute Eskalation des Konflikts in den letzten zwei Wochen mehr als 500 Menschen gestorben sind, und  kein wirklich wahrnehmbarer öffentlicher Diskurs über eine friedliche Beilegung des Konflikts geführt wird.… weiterlesen

Einheit in der Vielfalt für den Mittleren Osten

nilüfer_kocNilüfer Koç, Kovorsitzende des Nationalkongresses Kurdistans (KNK)
Es vergeht kein Tag, an dem nicht die uralten Konflikte im Mittleren Osten aufbrechen. Wie zuletzt am Beispiel der Übernahme der mehrheitlich von sunnitischen Arabern bewohnten 1,8-Millionen-Stadt Mûsil (Mossul) durch ISIS (Islamischer Staat im Irak und der Levante). Mûsil ist die zweitgrößte Stadt Iraks nach Bagdad. Bei den jüngsten militärischen Invasionskämpfen geht es um den 1400-jährigen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten. ISIS ist eine radikal-sunnitische Gruppe, die im Irak gegründet wurde und für die Herrschaft der Sunniten kämpft. Nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 wurde im Irak eine politische Konstellation aus Schiiten, Sunniten und Kurden gezimmert.… weiterlesen

Sexistische Propagandamethoden zur Delegitimierung der Frauenbewegung

ypj-fightersZur Darstellung von kurdischen Kämpferinnen in den Medien
Dilar Dirik, Kurdistan Report, Juli/August 2014
In der Zeit nach den Morden an Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez am 9. Januar 2013 in Paris richteten die Mainstream-Medien ihre Aufmerksamkeit plötzlich auf ein lang vernachlässigtes, aber dennoch faszinierendes Thema: auf die bemerkenswerte Rolle der Frau in der kurdischen Freiheitsbewegung. In den letzten zwei Jahren übernahmen die Kurden die Kontrolle über Westkurdistan (Rojava) und etablierten dort nach und nach Selbstverwaltungsstrukturen inmitten des syrischen Bürgerkriegs. Von Anfang an nahmen Frauen an der Rojava-Revolution durch ihren sozialen und politischen Aktivismus teil, aber was die westlichen Mainstream-Medien vor allem verwunderte, ist die Teilnahme dieser Frauen als gleichberechtigte Kämpferinnen im Krieg.… weiterlesen

Zerbricht die Ordnung im Mittleren Osten?

Mitleren OstenÜber vordergründig widerstreitende und objektiv gemeinsame Interessen
Dr. Haluk Gerger, 19.06.2014
Die Fragen, die sich uns stellen, lauten: Bricht die Ordnung im Mittleren Osten zusammen? Erleben wir derzeit die Begleiterscheinungen eines »Zusammenbruchs der Ordnung«? Falls die Ordnung zusammenbricht, wird in der Region eine neue Ordnung geboren? Um diese Fragen beantworten zu können, muss zunächst die »Ordnung des Mittleren Ostens« definiert werden. In der gängigen Literatur lautet die Kurzbezeichnung die »Sykes-Picot-Ordnung« oder »-Anordnung«. Während des Ersten Weltkriegs knüpften die gegen die Osmanen aufbegehrende arabische Unabhängigkeitsbewegung und die gegen die Osmanen kämpfenden Kräfte, also England und Frankreich, Kontakte miteinander.… weiterlesen

Kurdischer Staat: „Cui bono?“ – Wem nutzt es?

karte-ausschnitt_mittlere-ostenDevriş Çimen, Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 25.06.2014
Eines ist klar, nach all der Unterdrückung, Verleugnung, den Massakern, der Folter und den Zwangsumsiedlungen, mit denen die kurdische Bevölkerung seit gut einem Jahrhundert massiv konfrontiert ist, stellt der Wunsch nach einem eigenen kurdischen Staat einen für die meisten KurdInnen sehnsüchtigen Traum dar. Ein Traum, der zugleich Alpträumen den Weg ebnen könnte. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die KurdInnen auf Siedlungsgebiete im Iran, in der Türkei, im Irak und in Syrien aufgeteilt sind – und sie in diesen Staaten von einer Politik der Ausbeutung, Kolonialisierung, Assimilation und Unterdrückung betroffen waren und sind – besteht dieser Wunsch.… weiterlesen

PROBLEME DER VÖLKER DES MITTLEREN OSTENS UND MÖGLICHE LÖSUNGSANSÄTZE

Leseprobe aus: Demokratischer KonföderalismusLeseprobe aus: Demokratischer Konföderalismus von Abdullah Öcalan
(…) In den vergangenen zwei Jahrhunderten ist der Nationalismus in den Gesellschaften des Mittleren Ostens geschürt worden. Die nationalen Fragen sind nicht gelöst, sondern vielmehr in allen gesellschaftlichen Bereichen verschärft worden. Statt produktiven Wettbewerb zu betreiben, erzwingt das Kapital im Namen des Nationalstaats Kriege und Bürgerkriege. (…) Die nationale Frage ist kein Hirngespinst der kapitalistischen Moderne. Nichtsdestotrotz war es die kapitalistische Moderne, welche die nationale Frage der Gesellschaft aufgezwungen hat. Die Nation hat die religiöse Gemeinschaft ersetzt. Allerdings muss der Übergang zu einer nationalen Gesellschaft gemeinsam mit der Überwindung der kapitalistischen Moderne erfolgen, wenn die Nation nicht der Deckmantel repressiver Monopole bleiben soll.… weiterlesen

Mittlerer Osten aus friedenspolitischer Sicht und Perspektiven der Friedensbewegung

andreas_buroSucht man nach friedenspolitischen Ansätzen, muss man sich auf die Ursachen für die Außeneinmischungen in diesen Konflikt konzentrieren
Prof. Dr. Andreas Buro, 09.04.2014
Die kurdische Frage rückt immer mehr in einen internationalen Zusammenhang des Kampfes um Machtverteilung in einer sich globalisierenden Welt. Das Zentrum dieses Kampfes scheint gegenwärtig in Syrien zu liegen, reicht aber weit darüber hinaus. Syrien ist heute das Schlachtfeld für Konflikte, die gegenüber den Wünschen der syrischen Bevölkerung nach Frieden, Freiheit, Demokratie und Anerkennung von Minderheiten völlig rücksichtslos sind. Saudi-Arabien und Katar fördern trotz unterschiedlicher Adressaten sunnitische Milizen, die Al-Qaida nahestehen. Sie wollen aus Syrien einen sunnitisch-islamistischen Staat machen.… weiterlesen

Das mittelöstliche Denken

Staat Gewalt und macht-Abdullah ÖcalanLeseprobe aus: Jenseits von Staat, Macht und Gewalt von Abdullah Öcalan
(…) Doch der Mittlere Osten braucht eine eigene Renaissance, Reformation und Aufklärung. Sonst kann er weder in einer für die Völker positiven Weise aus dem Chaos herauskommen, noch sich vom Despotismus der Jahrtausende befreien, der in den letzten zweihundert Jahren lediglich mit etwas westlichem Make-up kaschiert worden ist. (…) Öcalans bisher umfangreichstes Buch behandelt ein breites Spektrum von historischen, philosophischen und politischen Themen. Leitmotiv sind kommunale Werte, die nichtstaatlichen und staatlichen Hierarchien entgegengestellt werden. Öcalans Vision einer kommunalistisch organisierten demokratisch-ökologischen Gesellschaft gab der kurdischen Bewegung wichtige Impulse und ist aus der gegenwärtigen kurdischen Politik nicht mehr wegzudenken.… weiterlesen

Taktische Spiele zwischen Religionskrieg und Unabhängigkeit

irak_lupeWas passiert eigentlich gerade im Irak? Nihat Kaya, Journalist, aus Hewlêr (Arbil)
In der irakischen Provinz al-Anbar haben sich die kriegerischen Zusammenstöße zwischen der regulären irakischen Armee und dem Al-Qaida-Ableger »Islamischer Staat im Irak und der Levante« (ISIL), von den Medien oft auch »Islamischer Staat im Irak und in Syrien« (ISIS) genannt, verstärkt, sodass der Irak ein weiteres Mal in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten ist. Zwar wirkt der Konflikt auf den ersten Blick wie ein Krieg zwischen zwei Parteien, die Realität sieht jedoch deutlich komplizierter aus. Es gilt in diesem Konflikt, den soziologischen Hintergrund, die Gesellschaftsbasis und die internationalen Unterstützer der jeweiligen Kriegsparteien genauer zu betrachten.… weiterlesen

Im Schatten des Gezi-Parks; die Entwicklungen im Nahen Osten!

Gezi-ParkText der „Abdullah-Öcalan-Akademie für Gesellschaftswissenschaften“
Der Widerstand im Istanbuler Gezi-Park hat allen verdeutlicht: Die gesellschaftliche Dynamik ist noch immer lebendig. Der Geduldsfaden ist nun geplatzt und die Grundlage zur Entwicklung solcher Ereignisse erstarkt. Der Gezi-Park-Aufstand ist immer noch der wichtigste Punkt auf der Tagesordnung der Türkei. Auch wenn er mit dem Schutz einer Grünanlage begann, ist in seinem Verlauf deutlich geworden, dass das Ereignis ein viel größeres Ausmaß angenommen hat. Gegen die Bestrebungen der AKP-Regierung, die der Gesellschaft ihre Prinzipien überstülpen will, gab es immer schon ernsthaften Widerstand. Doch aufgrund ihrer Machtposition und der Unterstützung, die sie sowohl aus dem Inneren der Gesellschaft als auch von außerhalb der Türkei erfährt, nahm sie den Aufstand nicht ernst.… weiterlesen

Warum keine humanitäre Hilfe an die Flüchtlinge in Rojava fließt

rojava-ambargo-resmiHumanitäre Hilfe als Waffe
Devriş Çimen, Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e. V.
Syrien ist längst nicht mehr der Ort, an dem ein Aufstand stattfindet, Syrien entwickelte sich in ein Schlachtfeld eines internationalen Stellvertreterkrieges. Neben mehr als 140 000 Menschen, die seit März 2011 getötet wurden, sind Millionen Flüchtlinge die Opfer dieser grausamen Tragödie. Auch die Genf-II-Konferenz hat zu keinem vernünftigen Ergebnis geführt. Das Agieren der regionalen und internationalen Konfliktparteien beschränkt sich auch nach Genf II weiterhin im Wesentlichen auf die Unterstützung ihrer Bündnispartner in Syrien. Mit Waffen, Kämpfern, Geld, Infrastruktur etc. werden die Auseinandersetzungen weiter angeheizt, statt mit ernsthaften Gesprächen nachhaltige Lösungen zu suchen und zu fördern.… weiterlesen

Die Türkei versucht einen Anteil an den Plünderungen zu ergattern

ortadoguDie Türkei in der sich verändernden Lage im Mittleren und Nahen Osten
Interview mit Haluk Gerger
(…) Was die Rolle der Türkei angeht: Sie erhofft sich, dass beim Zusammenbruch des Status quo in der Region und dem Aufbau einer neuen Ordnung ein imperialistischer Beutetisch zustande kommt, an welchem sie einen Anteil an den Plünderungen zu ergattern erhofft. Was aber noch wichtiger ist, die Türkei versucht die kurdische Dynamik in allen Ländern unter militärische, politische, ökonomische, soziale Kontrolle zu bringen und somit zu lähmen. (…) Haluk Gerger ist marxistischer Politikwissenschaftler und Nahostexperte aus Istanbul. Er war Dozent an der Fakultät für Politikwissenschaften und internationale Beziehungen an der Universität Ankara.… weiterlesen

Die Neugestaltung des Mittleren Ostens

KCK-Exekutivratsmitglied Cemil Bayik zur Situation im Mittleren Osten

Cemil Bayik, Mitbegründer der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) und seit Juli 2013 Kovorsitzender der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK), beantwortete, noch als KCK-Exekutivratsmitglied, im Juli im Kandil-Gebirge gegenüber ANF Fragen zu den aktuellen Entwicklungen im Mittleren Osten, insbesondere zum Krieg in Syrien (allerdings noch vor den koordinierten Angriffen der dschihadistischen Gruppen in Westkurdistan), und den Perspektiven der kurdischen Freiheitsbewegung unter Führung der PKK. Wir dokumentieren einen stark gekürzten Ausschnitt des bei ANF veröffentlichten Gesprächs.

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Der kurdische Jahrhunderttraum

vorbreitungstreffenZwischen dem 25. und 27. November* wird der kurdische Nationalkongress in Hewlêr (Erbil) stattfinden
Nilüfer Koç, Mitglied im Vorbereitungskomitee des kurdischen Nationalkongresses Nach dem Verkünden der neuen politischen Offensive durch den Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, Abdullah Öcalan, bei den Newrozfeierlichkeiten 2013 in Amed (Diyarbakir), hat eine neue strategisch-politische Ära der Kurden begonnen. Es ist die Ära, in der die Kurden vom Objekt zum Subjekt der regionalen und internationalen Politik werden. Ausschlaggebende Kriterien für diese neue Phase sind die rasanten politischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Mittleren Osten, wo die Balance zwischen Konfrontation und Kooperation regional und international fast täglich variiert.… weiterlesen

Eine Verleugnung der Kurdinnen passt nicht mehr ins Konzept

günay aslan riza altunWelche Rolle spielen die KurdInnen in einem sich verändernden Mittleren Osten?
Riza Altun im Interview, befragt von Günay Aslan
Riza Altun, Mitbegründer der PKK, beantwortete im Kandil Fragen des Journalisten Günay Aslan zu den Kräfteverhältnissen im Mittleren Osten, zum Wandel in der PKK und den entsprechenden Auswirkungen, zur Situation der PKK und der KurdInnen in der neuen Ära, zu Risiken und Chancen, dem gesellschaftlichen Wandel und über die Anforderungen der aktuellen Phase. Wie beurteilen Sie im allgemeinen Kontext die tiefgreifenden Entwicklungen im Mittleren Osten? Es ist unmöglich, die tiefgreifenden Entwicklungen im Mittleren Osten unabhängig von den globalen Entwicklungen zu betrachten.… weiterlesen

Wir Frauen vertrauen uns selbst …

kadin konferansiAbschlussresolution der 1. Frauenkonferenz des Mittleren Ostens
Cenî – Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V., Düsseldorf, 4. Juni 2013
Vom 31. Mai bis zum 2. Juni fand in Amed (Diyarbakir) die 1. Frauenkonferenz des Mittleren Ostens statt. Die von der DÖKH (Demokratische Freie Frauenbewegung) organisierte Veranstaltung stand unter dem Motto »Jin, Jiyan, Azadî« (Frauen, Leben, Freiheit) und war den drei am 9. Januar in Paris ermordeten kurdischen Politikerinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Saylemez gewidmet. Drei Tage diskutierten 250 Frauen aus 26 Ländern des Mittleren Ostens sowie Nordafrikas über ihre Erfahrungen und Perspektiven im Kampf für die Befreiung vom patriarchalen Herrschaftssystem und über die aktuellen politischen Entwicklungen in der Region.… weiterlesen

Es geht darum, gleichberechtigt und frei miteinander leben zu können

Salih Muslim, Kovorsitzender der Partei der Demokratischen Einheit (PYD) über das Projekt des Demokratischen Mittleren Ostens
Der Kovorsitzende der Partei der Demokratischen Einheit (PYD) Salih Muslim erläutert das Projekt des Demokratischen Mittleren Ostens, mit dem die Bevölkerung der Region selbst über ihre Belange entscheiden kann, im Gegensatz zum Greater Middle East Project, bei dem die Interessen der äußeren Mächte im Vordergrund stehen. Die Zusammenfassung eines Gesprächs, dass Devriş Çimen mit ihm führte, geben wir in Auszügen wieder. Die gegenwärtigen Aufstände in Nordafrika und im Mittleren Osten wurden von Abdullah Öcalan bereits im Jahr 2000 prophezeit. Er sprach damals schon davon, dass sich der Status quo in der Region nicht mehr lange werde halten können und dass uns ein Frühling der Völker bevorstehe.… weiterlesen

Erste Nahost-Frauenkonferenz in Amed

Der Arabische Frühling im Nahen Osten ist kein Frühling der Frauen, sondern ein Frühling der Männer, Interview mit Ayse Gökhan aus der Vorbereitungskommission der Nahost-Frauenkonferenz
Vom 31. Mai bis zum 2. Juni findet die erste Nahost-Frauenkonferenz statt, die den drei kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez, welche am 9. Januar 2013 in Paris ermordet worden sind, gewidmet ist. Ayse Gökhan, ein Mitglied der Vorbereitungskommission erklärt, dass die Konferenz die starke Frauendynamik im Nahen Osten zeigen wird und zum Frieden in der Region beitragen werde. Gökhan stellt fest, dass die aktuelle Entwicklungsphase im Nahen Osten unter dem „Arabischen Frühling“ kein Frauenfrühling ist: „Veränderungen, die die Frauen nicht befreit, können kein Frühling sein.… weiterlesen

Ein Ende der mörderischen Kämpfe scheint nicht absehbar

werner_rufDer Konflikt in Syrien und die Neugestaltung des Nahen Ostens
Werner Ruf, Prof. emer., Friedensforscher und Nahostexperte Es scheint, als ob die Krise in Syrien der letzte Akt in der Kette der Umwälzungen ist, die im Dezember 2010 in Tunesien begannen und gemeinhin unter dem Titel „Arabischer Frühling“ oder „Arabellion“ zusammengefasst werden. Spätestens mit Beginn der Aufstände in Ägypten im Januar 2011 wurde klar, dass der Westen (mit Ausnahme Frankreichs) die bis dahin Jahrzehnte lang gestützten Diktatoren wie heiße Kartoffeln fallen ließ. Die US-Administration begrüßte in überschwänglichen Erklärungen die Aufstände und unterstützte „den Wandel“ in der arabischen Welt.1 Dies mag wenig überraschend erscheinen, wenn man sich daran erinnert, dass bereits die Vorgänger-Administration des George W.… weiterlesen

Neubestimmung von Politik und Demokratie im Mittleren Osten

Joost JongerdenRede auf der 9. Internationalen EUTCC-Konferenz zur Türkei und den Kurden
Joost Jongerden, Soziologe
Vor einigen Wochen war ich in Istanbul. Dort habe ich mir für meinen Rückflug nach Amsterdam das neue Buch von Cengiz Çandar mit dem Titel »Mezopotamya Ekspresi« (zu Deutsch »Mesopotamien-Express«) gekauft. Das Buch war schnell zu lesen und verfügte zugleich über eine Vielzahl von wichtigen Details. Eine Botschaft des Buches würde ich gerne mit Euch hier teilen; sie lautet, dass wir die Dinge beim Namen benennen sollten. Um seine Botschaft zu untermauern, greift Çandar in seinem Buch auf ein Zitat des Literatur-Nobelpreisträgers von 1998 José Saramago zurück, welches lautet: »Worte wurden den Menschen nicht dafür gegeben, um Gedanken zu verschweigen.« Für Çandar bedeutet, die Dinge beim Namen zu nennen, auch, dass die kurdische Frage nicht in weitschweifenden Umschreibungen beschrieben werden sollte, sondern eben als kurdische Frage benannt werden sollte.… weiterlesen