Wölfe im Schafspelz

Nick Brauns, freier Journalist

Die Anhänger Fethullah Gülens breiten sich in Deutschland aus

In Deutschland ist der Name Fethullah Gülen außerhalb der türkeistämmigen Community immer noch weitgehend unbekannt. Wenn die Gülen-Bewegung doch einmal in der deutschen Presse Erwähnung findet, dann meist in Form unkritischer PR-Artikel über die „Die Streber Allahs“, ihre Schulen und Kulturveranstaltungen. „Gäbe es einen Wettbewerb ‘Deutschland sucht den Mustermuslim’ – der Sieger wäre ein Gülen-Anhänger“, heißt es etwa in einem Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT zur Türkischolympiade des Gülen-Netzwerkes in Istanbul. Erst langsam regt sich hierzulande auch vorsichtige Kritik an der Gülen-Bewegung, die in der Türkei inzwischen große Teile des Staatsapparates unterwandert hat und ihren Einfluss zu Massenverhaftungen laizistischer und prokurdischer Oppositioneller unter fingierten Terrorismusvorwürfen nutzt.

Einmal abgesehen von rechtsextremen oder christlich-fundamentalistischen Islamhassern, die der Bewegung fälschlicherweise eine geheime Scharia-Agenda unterstellen, richtet sich diese Kritik vor allem gegen undurchsichtige Strukturen und Intransparenz der Bewegung in Deutschland, während die türkisch-nationalistische Ausrichtung der Gemeinde (Cemaat) in der Türkei kaum Erwähnung findet und ihre antidemokratische Rolle als Verschwörungstheorie abgetan wird.

In Deutschland ist die Gülen-Bewegung seit den 90er-Jahren organisatorisch aktiv. Seitdem hat sich Deutschland mit seiner großen türkeistämmigen Diaspora zu einem Schwerpunkt für die internationale Ausbreitung des Netzwerkes entwickelt. „Eine Bewegung ist in Deutschland dabei, die dominierenden muslimischen Organisationen zu verdrängen. Kritiker sprechen von einer ‘moralischen Machtinstanz’, der sich viele türkischstämmige Familien nicht mehr entziehen können“, heißt es zu einem Beitrag des WDR über „Die stille Armee des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen“.

In Deutschland lassen sich drei Standbeine der Gülen-Bewegung ausmachen: Ein Bildungsnetzwerk mit dem Ziel der Gewinnung neuer Anhänger und Kader zur Schaffung der von Gülen propagierten „goldenen Generation“ für eine zukünftige Weltgeltung der Türkei als islamischer Führungsmacht, Medien zur Verbreitung der Ideen der Gemeinde und politischen Beeinflussung der türkeistämmigen Migration, aber auch der deutschen Öffentlichkeit im Sinne der türkisch-nationalistischen Politik und schließlich Lobbyvereine, die eine Verankerung und damit Absicherung der Gülen-Bewegung im akademischen und politischen Milieu betreiben. Nach außen versuchen diese jeweils rechtlich eigenständig agierenden Vereinigungen den Eindruck völliger organisatorischer Unabhängigkeit zu erwecken. Selbst eine Verbindung zu Gülen wird vielfach verschwiegen und lediglich Sympathien „für die grundlegenden friedlichen Thesen Gülens“ (so etwa der Bildungsverein Academy in Frankfurt) eingestanden. Dabei kommt den zuvor in den Bildungseinrichtungen des Netzwerkes ausgebildeten Mitarbeitern der Gülen-nahen Medien eine Funktion als Kader zu – entsprechend der Rolle, die Imame der Gülen-Bewegung in der Türkei einnehmen. „Alle diese Einrichtungen werden durch die Zeitung ‘Zaman’ koordiniert“, schreibt Nurculuk-Experte Cemil Sahinöz. „Das heißt, die lokalen Journalisten der Zeitung sind für die Kommunikation unter den verschiedenen Einrichtungen zuständig. Sie sind die Broker und befinden sich in allen Teilen des Netzwerkes.“ Die finanziellen Ressourcen des Gülen-Netzwerkes liegen bei frommen mittelständischen Unternehmern türkischer Herkunft, die sich etwa in Berlin und Brandenburg im Jahr 2007 zum Unternehmerverband BAREX e.V. mit rund 150 Mitgliedsunternehmen zusammengeschlossen haben.

Das Bildungsnetzwerk der Cemaat in Deutschland besteht derzeit aus rund 165 über den Frankfurter Verein „Academy“ koordinierten Hausaufgabenbetreuungs- und Nachhilfeinstituten sowie mehr als 20 Privatschulen wie der TÜDESB-Schule in Berlin-Spandau, dem Privatgymnasium „Dialog“ in Köln-Buchheim oder der BiL-Privatschule in Stuttgart-Bad Cannstatt. Bei Schulgebühren bis zu 4 000 Euro ziehen diese Schulen mit ihrer zu 90 Prozent aus vor allem türkeistämmigen Migranten bestehenden Schülerschaft vor allem Kinder von materiell halbwegs gutgestellten Migrantenfamilien an. Da das staatliche deutsche Bildungssystem vielen Kindern aus Migrantenfamilien kaum Chancen auf eine gute Bildung gibt, sorgt das für ein wachsendes Interesse an den Gülen-Schulen, deren Lehrplan laizistisch ausgerichtet ist. Die ideologische Beeinflussung erfolgt nicht im Unterricht, sondern in den Nachhilfeeinrichtungen und bei den organisierten Freizeitaktivitäten sowie insbesondere in Wohnheimen der Gülen-Bewegung. „Meine Neffen wurden zudem auch bedrängt, sonntags an sogenannten Ethik-Kursen (Ahlak Dersi) teilzunehmen, obwohl sie nur Nachhilfe nehmen wollten“, berichtet ein alevitischer Geschichtslehrer, dessen 12- und 14-jährige Neffen eine zum Gülen-Netzwerk gehörende Nachhilfeschule besuchen, von einem „Gruppenzwang, dem sich die Kinder kaum entziehen können“. Auch auf die Angehörigen wird so moralischer Druck ausgeübt, die Zaman oder die ­Theoriezeitschrift Sizinti zu abonnieren, an Veranstaltungen teilzunehmen oder zu spenden.

Als Kaderschmieden und Basiszellen der Cemaat dienen die so genannten Isik Evler (Lichthäuser), von denen es allein in Berlin mehr als 20 gibt. Es handelt sich hier um Studentenwohnheime, in denen nach Geschlechtern getrennt ein strikt an der Islamauslegung Gülens orientiertes Leben geführt wird. Aussteiger berichten indessen von Sektenstrukturen mit strikter Gehorsamspflicht der Studenten gegenüber ihren Abis und Ablas (große Brüder und Schwestern) als unterste Rangstufe der Bewegung. So ist etwa das Lesen von Zeitungen, die nicht dem Netzwerk nahestehen, verboten und auch volljährige Wohnheimbewohner müssen sich Ausgänge genehmigen lassen und an den abendlichen gemeinsamen Lesungen oder Videoaufnahmen von Gülen-Predigten teilnehmen.

Die zum Gülen-Medienimperium gehörende mittlerweile auflagenstärkste türkische Tageszeitung Zaman erscheint in Deutschland seit 1991 mit einer eigenen Europaausgabe. Sie wird hier von der World Media Group AG in Offenbach am Main herausgegeben, die mit eigenen Aufnahmestudios auch die Fernsehsender Samanyolu TV Avrupa und Ebru TV betreibt. Die vom Berliner Gülen-Lobbyverein Forum für interkulturellen Dialog initiierte und von der Blogform Social Media GmbH des österreichischen IT-Unternehmers und Journalisten Michale Maier herausgegebene Onlinezeitung Deutsch-Türkische Nachrichten bietet neben eigenen auf Deutschland bezogenen Artikeln vor allem eine Zusammenfassung von Meldungen aus der Zaman. Regelmäßig werden dabei die von Zaman bekannten Verleumdungen gegen die kurdische Befreiungsbewegung wiederholt, etwa wenn behauptet wird, die PKK bestände mehrheitlich aus Kindersoldaten. Mit medialer Vorverurteilung und Diffamierung von Gülen-Kritikern als „Terroristen“ oder „Putschisten“ begleiten die Gülen-Medien so auch in Deutschland die Massenverhaftungen von oppositionellen Politikern und Journalis­ten in der Türkei. Da die großen deutschen Zeitungen bis auf kleine Ausnahmen die Ent­wicklung in der Türkei und Kurdistan weiterhin mit großer Ignoranz ausblenden, können Medien wie die Deutsch-Türkischen Nachrichten oder das den Grauen Wölfen ideologisch nahestehende offen rassistische Onlineportal Turkishpress mitunter die deutschsprachige Berichterstattung zur kurdischen Befreiungsbewegung weitgehend dominieren.

Ebenfalls der politischen Beeinflussung von politischen und medialen Entscheidungsträgern im Sinne der nationalistischen türkischen Staats- und Regierungspolitik sowie der Gülen-Bewegung dienen Lobbyvereinigungen wie das Forum für Interkulturellen Dialog e.V. (FID) in Berlin oder das Interkulturelle Dialogzentrum e.V. (IDIZEM) in München. So verteidigen die Gülen-Lobbyisten, die ansonsten auch gerne mal öffentliche Veranstaltungen zum Thema Pressefreiheit machen, Verhaftungen kritischer Journalisten in der Türkei. „Nicht das Buch über Gülen, sondern Verdacht auf Verbindung zu Ergenekon ist der Grund für Festnahme von Ahmet Sik und Nedim Sener“, erklärte FID-Chef Karakoyun ganz im Einklang mit der türkischen Sonderstaatsanwaltschaft. Die beiden bekannten militärkritischen Enthüllungsjournalisten waren im März 2010 nach Recherchen über die Unterwanderung der Polizei durch Gülen-Anhänger wegen angeblicher Mitwirkung an Putschplänen verhaftet worden. Wie in der Türkei so versucht die Gülen-Bewegung auch in Deutschland, ihre Kritiker als Terroristen oder zumindest Terrorsympathisanten zu diffamieren. „Warum unterstützt Ulla Jelpke die PKK? Sie scheint offensichtlich ein Interesse am Terror der PKK zu haben“, behauptet der FID-Vorsitzende Ercan Karakoyun, nachdem die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zu Kontakten der Gülen-Bewegung und bundesdeutscher Sicherheitsbehörden gestellt hatte. Auch eine Predigt Gülens, in der dieser am 24. Oktober 2011 das türkische Militär zum Massenmord an als „Terroristen“ bezeichneten Vertretern der kurdischen Bewegung aufforderte, rechtfertigte Karakoyun mit der Behauptung, Gülen habe schließlich auch dazu aufgerufen, mit den nicht „terroristischen“ 95 Prozent der kurdischen Bevölkerung „liebevoll“ umzugehen. Neben seriösen Nachrichtenartikeln finden sich in den Deutsch-Türkischen-Nachrichten immer wieder Hetzartikel, mit denen gezielt Stimmungsmache gegen kurdische Emigrantenvereine und ihre Unterstützer betrieben wird. Unter Berufung auf einen nicht näher benannten „hochrangigen Beamten“ deutscher Sicherheitsbehörden wurde so am 20. Januar eine angeblich drohende „Eskalation der Gewalt“ durch Anhänger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in Deutschland beschworen. Weiter wird in dem Artikel behauptet, die Partei DIE LINKE würde die PKK aus wahltaktischen Gründen unterstützen und Stimmen der kurdischen Diaspora aufgrund einer „geschick­ten Verschleierungstaktik“ gewinnen. Der Artikel gipfelt dann in der Behauptung: „Nur durch die Duldung durch Die Linke ist in NRW eine rot-grüne Minderheitsregierung an die Macht gekommen. Indirekt verdankt die Regierung im größten deutschen Bundesland ihre Macht also der Unterstützung der PKK – nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes einer ausländischen terroristischen Vereinigung.“

Als „Coming-out“ der Fethullahcis in Deutschland, die davor ihre religiöse Motivation weitgehend verborgen hielten, gilt ihre im Mai 2009 an der Universität Potsdam durchgeführte Konferenz „Muslime zwischen Tradition und Moderne – Die Gülen-Bewegung als Brücke zwischen den Kulturen“. Neben dem FID traten das Deutsche Orient-Institut, das Abraham Geiger Kolleg zur Rabbinerausbildung und die Evangelische Akademie zu Berlin als Mitveranstalter der weitgehend unkritischen Konferenz auf. Im Juni 2010 folgte eine ähnliche Konferenz „Die Gülen-Bewegung im Kontext Europas – Ein Blick auf NRW“ an der Ruhr-Universität Bochum. Als Referenten und Teilnehmer waren jeweils zahlreiche Wissenschaftler, Journalisten und Vertreter christlicher und jüdischer Religionsgemeinschaften eingeladen worden. Aus diesem Kreis rekrutieren sich Fellow Travellers, mit denen sich die Gülen-Lobbyvereine schmücken. Im Beirat des Berliner FID finden sich so die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), Rabbiner Walter Homolka vom Abraham Geiger Kolleg der Universität Potsdam, Erika Godel von der Evangelischen Akademie zu Berlin, der frühere Diplomat und jetzige Leiter des Deutschen Orient-Instituts Gunter Mulack sowie Dozenten der drei Berliner Universitäten TU, FU und HU. Solchen von der Gülen-Bewegung hofierten deutschen Akademikern und Politikern kommt offenbar vor allem die Funktion eines Schutzwalls gegen öffentliche Kritik an der Bewegung zu. Diese mitunter naiven Sympathisanten werden in Bewegung gesetzt, um mit Leserbriefen auf kritische Medienberichte zu reagieren oder auch mal durch Interventionen bei Unileitungen Raumkündigungen für Gülen-Kritiker zu erwirken, wie etwa im Mai 2012 anlässlich einer Informationsveranstaltung des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan (YXK) an der Freien Universität Berlin. Nicht in jedem Fall dürfte den so von den Gülen-Vereinigungen Vereinnahmten klar sein, wofür sie ihren Namen tatsächlich hergeben. Denn nach außen geben sich die Gülen-Anhänger als liberale und tolerante Vertreter eines moderaten Islam ohne politische Absichten. Während etwa die evangelische Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien gemeinsam mit dem FID und dem Abraham Geiger Kolleg das Projekt eines Bet- und Lehrhauses auf dem Berliner Petriplatz betreibt, warnt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) vor einer „unterschiedlichen ‘Verpackung’ der Ideen Fethullah Gülens je nach Adressat“. „Im Klartext: Die sunnitisch-national(istische) Prägung des Gülen-Diskurses wird mehr oder weniger bewusst bedeckt gehalten.“ So spielen die panturanischen und neo-osmanischen Ansichten Gülens, die in der Türkei zu den Grundpfeilern der Bewegung gehören, beim öffentlichen Auftreten in Deutschland keine Rolle. „Mit ihrem ‘Angebot zur kulturellen Verständigung’ ziehen die Dialogins­titute in Österreich und Deutschland vermehrt das Interesse von Schulen, Universitätsprofessoren, Politikern und Religionslehrern an. Dass es sich um eine Propagandataktik handelt, ist im ersten Moment nicht ersichtlich.“ Tatsächlich wird der interkulturelle und interreligiöse Dialog keineswegs ehrlich und auf gleicher Augenhöhe geführt. Vielmehr geht die Gülen-Bewegung von einer Überlegenheit der türkisch-islamischen Synthese gegenüber allen anderen Ethnien und Religionen aus und pflegt dabei einen „Scharia-Vorbehalt“, also den absoluten Wahrheitsanspruch ihrer Koran- und Hadith-Auslegung.

Unkritisch ist die Haltung deutscher Regierungsstellen gegenüber der Gülen-Bewegung, in der sie offenbar gute Sachwalter deutscher wirtschaftlicher Interessen in der Türkei sehen.

Auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion gestand die Bundesregierung im vergangenen Oktober Kontakte der deutschen Botschaft Ankara „mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, die der Fethullah-Gülen-Bewegung nahestehen, wie z. B. der ‘Journalists and Writers Foundation’, deren Ehrenvorsitzender Fethullah Gülen ist“, sowie des Auswärtigen Amtes, mit dem der Gülen-Bewegung nahestehenden, in Berlin beheimateten ‘Forum für interkulturellen Dialog e. V.’, dies über die Person seines Vorsitzenden Ercan Karakoyun“, ein. Zum Vorwurf der Unterwanderung des türkischen Staatsapparates durch Gülen-Anhänger und der Verhaftung von Gülen-Kritikern sind „entsprechende Spekulationen insbesondere in den türkischen Medien sowie einschlägige Buchveröffentlichungen bekannt. Belastbare Erkenntnisse hierzu liegen der Bundesregierung jedoch nicht vor“, wird behauptet. Zudem kann die Bundesregierung nicht ausschließen, dass Gülen-nahe Träger etwa im Rahmen der Integrationsförderung Gelder aus Bundesmitteln erhalten haben. Landes- und Kommunalpolitiker gehen den Avancen der Gülen-Anhänger immer wieder auf den Leim. So unterstützte der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) als Schirmherr trotz Kritik aus den Reihen von Linkspartei, Grünen und Migrantenverbänden die Ende Mai 2012 in der Frankfurter Festhalle abgehaltene „Deutsch-Türkische Kulturolympiade“. Organisatoren dieser „Kultur-Assimilations-Olympiade“ – wie die Bundesarbeitsgemeinschaft der „Immigrantenverbände in der Bundesrepublik Deutschland e.V.“ zu Recht kritisierte – sind ausnahmslos Medienunternehmen und Bildungsvereine des Gülen-Netzwerks. Auf kommunaler Ebene gibt es zum anderen in verschiedenen Städten gemeinsame Projekte oder Veranstaltungen von Gülen-nahen Vereinen, der Volkshochschule und der Agentur für Arbeit.

Ziel Gülens und seiner Anhänger ist es, der Türkei in einer globalisierten Welt wieder zur Großmachtgeltung als islamische Führungsmacht zu verhelfen. Gewinner dieses neo-osmanischen Projektes ist eine Schicht frommer anatolischer Unternehmer, die von der neoliberalen Ausrichtung der Gülen-Bewegung und der AKP profitieren. Doch Gülens osmanischer Traum geht auf Kosten der nicht-türkisch-sunnitischen Bevölkerungsteile, die zur Assimilation gezwungen werden, sowie der unter der neoliberalen Ausbeutung leidenden abhängig Beschäftigten in der Türkei. Da sich die Ambitionen der Gülen-Bewegung auf den Ausbau ihrer Machtpositionen in der Türkei richten, besteht ihr Hauptinteresse in Deutschland darin, sich hier bei der Kadergewinnung und dem Fundraising den Rücken frei zu halten. Gleichzeitig soll die Politik der islamisch-konservativen AKP-Regierung der Türkei propagandistisch und diplomatisch unterstützt werden. Direkten Konfrontationen mit ihren Kritikern weichen die Gülen-Anhänger dabei in der Regel aus. Es ist höchste Zeit, Fethullah Gülen und seinen Anhängern auch hier zu Lande die Maske von Dialog und Toleranz herunterzureißen. Denn nichts scheuen diese (grauen) Wölfe im Schafspelz mehr, als ins Rampenlicht der Wahrheit gestellt zu werden.

entnommen aus Kurdistan Report Nr. 162