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„YPG steckt hinter Anschlag in Ankara“ – Warum diese Behauptung so absehbar war

Pressemitteilung des Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 18.02.2016

Schon am Morgen nach dem verheerenden Anschlag in Ankara, bei dem mindestens 28 Menschen ums Leben gekommen sind, haben die Ermittlerteams der türkischen Sicherheitskräfte ganze Arbeit geleistet und den scheinbar Verantwortlichen bereits ermittelt: Demnach ist der Täter ein 24-jähriger namens Salih Neccar, geb. 1992 in der nordsyrischen Stadt Amudê. Das ließ der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu am Donnerstag verlautbaren. Neccar habe sich selbst in die Luft gejagt und sei – welch Überraschung! –  Mitglied der YPG (Volksverteidigungseinheiten, Teil der Demokratischen Kräfte Syriens).

Dass die türkischen Behörden in ihren Ermittlungen nach Anschlägen dieser Art immer sehr schnell Ergebnisse präsentieren können, ist nichts Neues. Oft kommen dann die Täter zufällig genau aus demjenigen politischen Milieu, auf welche sich die politischen Verantwortlichen gerade eingeschossen haben. So auch dieses Mal. Die Türkei beschießt seit Tagen in Rojava und Nordsyrien diejenigen Gebiete, die von den Demokratischen Kräften Syriens kontrolliert oder jüngst aus den Händen islamistischer Organisationen wie der Al-Nusra Front oder Ahrar-al Sham befreit worden sind. Gegen diesen Beschuss der Türkei, bei dem auch mehrere Menschen ums Leben gekommen sind, regte sich internationaler Protest. Doch die Türkei bemühte sich der Welt klar zu machen, dass es sich um „Terroristen“ handele, gegen welche sie vorgeht. Leider fehlten ihr  dafür die nötigen Argumente, um ihr eBehauptungen zu stützen. Und letztlich profitierte, neben den von der Türkei gesteuerten, und gerne auch in Deutschland als „gemäßigte Opposition“ betitelten Islamisten, der Al-Nusra Front und Co., auch der Islamische Staat (IS) von den Angriffen der Türkei. Denn gegen keinen Kampfverband hat der IS größere Gebietsverluste in Syrien hinnehmen müssen, wie gegen die Demokratischen Kräfte Syriens.

„Davutoğlu will mit dieser Behauptung die Grundlage für eine Intervention in Rojava erschaffen“

Nun versucht die Türkei aus dem Anschlag in Ankara verzweifelt und äußerst unrühmlichen politischen Profit herauszuschlagen, indem sie mit dem Finger auf die YPG zeigt. Auch wenn es auf Behauptungen wie diese keiner Reaktion bedarf, meldete sich der PYD Co-Vorsitzende Salih Muslim beim arabischsprachigen Nachrichtensender Skynews Arabî zu Wort und erklärte, dass weder der vermeintliche Attentäter Salih Neccar mit ihnen etwas zu tun hat, noch die YPG in irgendeiner Weise mit diesem Anschlag in Verbindung zu bringen ist.

Auch die YPG selbst meldete sich am Donnerstagmittag zu Wort und erklärte, dass sie mit diesem Anschlag in absolut keiner Weise etwas zu tun haben. „Davutoğlu will mit dieser Behauptung die Grundlage für eine Intervention in Rojava und Syrien erschaffen“, heißt es weiter. Zudem macht die YPG in ihrer Erklärung darauf aufmerksam, dass von Seiten der YPG auch an der syrisch-türkischen Grenze zu keinem Zeitpunkt eine Aggression gegen die Türkei ausgegangen ist. „Und das wissen das türkische Militär und die AKP am besten“, so die YPG.