Filme aus Kurdistan – Auswahl an Spiel- und Dokumentarfilmen sowie Werken der Internationalen Filmkommune Rojava.
Spielfilme Klick zum Öffnen/Schließen
Ji bo Azadiyê
„Ji bo Azadiyê”, produziert von der Filmkommune Rojava und der katalanischen Dokumentarfilmerin Alba Sotorra, thematisiert den vom Dezember 2015 bis März 2016 andauernden Widerstand der zivilen Verteidigungseinheiten YPS gegen die Belagerung des türkischen Militärs im Stadtteil Sur von Amed (Diyarbakir). Es ist die wahre Geschichte einer Gruppe junger Menschen, die Sur nach Ausrufung der Ausgangssperre nicht verließen und ihr Viertel 100 Tage lang gegen die zweitgrößte NATO-Armee verteidigten. Das Drehbuch entstand auf Grundlage von Tagebüchern der Toten und Zeugenaussagen der Überlebenden, von denen einige sogar im Film mitspielen.
14.Tîrmeh (14. Juli) – Die Hölle von Dîyarbakir
Am 12. September 1980 ereignete sich in der Türkei ein Militärputsch, der sich gegen Demokraten, Linke und KurdInnen richtete. In der Folge wurde das Parlament entmachtet und unter Kontrolle einer Militärregierung gestellt, die das Land auf Basis einer nationalistisch-religiösen Gleichschaltung führte. Zivilgesellschaft und demokratische Strukturen wurden zerschlagen, KurdInnen verfolgt, tausende Personen wurden inhaftiert und in den Gefängnissen systematisch gefoltert. Der Film erzählt die Geschichte der Helden des Hungerstreiks im türkischen Gefängnis der kurdischen Stadt Amed, der am 14. Juli 1982 begann und sich gegen die unmenschlichen Bedingungen in der Haft richtete. Die Gegebenheiten in der Türkei heute sind ohne diesen Rückblick kaum zu verstehen – deshalb ist der Film nicht nur historisch, sondern weiterhin hochaktuell.
Min Dît – Die Kinder von Diyarbakir
Der Spielfilm „Min Dît“ behandelt die Erlebnisse zweier Geschwister nach der Ermordung ihrer Eltern – vor dem Hintergrund systematischer politischer Morde in Nordkurdistan durch die türkische Regierung zwischen 1990 und 1995.
Dokumentarfilme Klick zum Öffnen/Schließen
38
„38“ behandelt das Massaker in Dersim 1938 und die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Zeugenaussagen, historische Recherchen und Archivmaterial zeichnen ein eindrucksvolles Bild der Ereignisse und ihrer Nachwirkungen. Der Film ist in der Türkei zudem juristisch umstritten.
Trotz alledem – Tevî her tiştî
Gegen Patriarchat und Krieg – Frauen Rojavas bauen ihre eigene Zukunft.
Im vom Krieg gezeichneten Norden Syriens entsteht etwas Unerwartetes: Hoffnung. Inmitten von Ruinen,
Bedrohung und Entbehrung behaupten sich Frauen in Rojava mit bemerkenswerter Entschlossenheit. Sie
gründen Dörfer, unterrichten Kinder, bauen Werkstätten auf – und verteidigen nicht nur ihr Leben,
sondern auch eine Vision von Freiheit und Gleichberechtigung. Der Film zeigt das alltägliche Überleben
und den außergewöhnlichen Mut zur Selbstermächtigung in einer Region, die weltweit kaum Beachtung findet.
Der Dokumentarfilm gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben selbstbestimmter Frauen in Rojava, einer autonom verwalteten Region im Norden und Osten Syriens. Inmitten von Krieg, Zerstörung und politischer Unsicherheit kämpfen sie unbeirrt für ihre Unabhängigkeit und eine basisdemokratische Gesellschaft. Protagonistinnen wie Argin, Jehan, Delal, Sidan, Ghoufran und Hiba stehen stellvertretend für eine neue Generation mutiger Frauen. In ruhigen, aber kraftvollen Bildern erzählt der Film von gelebter Solidarität, Widerstandskraft und dem Aufbau einer friedlichen Zukunft – jenseits patriarchaler Strukturen und trotz widrigster Umstände.
The Other Side of the River
Die 19-jährige Hala entkommt einer arrangierten Ehe, indem sie den Euphrat überquert, um bei einer kurdischen Frauenverteidigungseinheit ein neues Zuhause zu finden – einer Einheit, die bald darauf ihre Heimatstadt Minbij vom Islamischen Staat befreit. Für ihre Mitstreiterinnen ist der Feind nicht nur der IS, sondern das Patriarchat im Allgemeinen, mit der Ehe als ultimativer Unterdrückungsinstitution. Die Grausamkeiten, die diese jungen Frauen erfahren haben, führen sie auf die andere Seite des Flusses, wo sie ausgebildet und in den feministischen Idealen der kurdischen Frauenbewegung aufgeklärt werden. Hala widmet sich entschlossen dem Versprechen, mehr Frauen zu befreien – doch das Leben verläuft komplexer als erwartet.
Gulistan – Land of Roses
Die Dokumentation zeigt die Guerillakämpferinnen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihren Kampf gegen ISIS im Irak und in Syrien. Für ein freies Kurdistan und die Gleichberechtigung der Frauen riskieren sie ihr Leben. Die Regisseurin Zayne Akyol vermittelt Schicksale, Motivationen und Alltag der Frauen aus unmittelbarer Nähe.
Köy
Neno, Saniye und Hêvîn sind Kurdinnen aus drei Generationen. Neno, die Großmutter der Regisseurin, pendelt zwischen Deutschland und der Türkei und verfolgt die politischen Ereignisse in der Heimat mit klarer Haltung. Saniye betreibt ein Kiez-Café in Berlin und träumt davon, in ihren Geburtsort zurückzukehren – erkennt jedoch, dass dies Mut und Risiko erfordert. Hêvîn will Schauspielerin werden und ist politisch aktiv, doch im Studium bleibt wenig Zeit für den Kampf gegen Unterdrückung.
Sara – Mein ganzes Leben war ein Kampf
Dokumentarfilm über das Leben von Sakine Cansız (SARA), Gründungsmitglied der PKK, die 2013 in Paris gemeinsam mit Fidan Doğan und Leyla Şaylemez ermordet wurde. Der Film erzählt ihre Geschichte chronologisch: Kindheit, Jugend, Gründung der PKK 1978, zehn Jahre Gefängnis – bis zum 9. Januar 2013. SARA ist eine zentrale Symbol- und Identifikationsfigur der kurdischen Bewegung, besonders für kurdische Frauen.
Experiment Rojava in Syrien – Eine Gesellschaft im Aufbruch
Das antihierarchische, konföderale Demokratiemodell, das in Rojava im Norden Syriens entstand, wird als authentischer Gegenentwurf zu dominierenden Kräften der Region vorgestellt: basisdemokratische Selbstverwaltung, kooperative Ökonomie, multiethnische und multireligiöse Konzepte sowie Frauen- und Gerechtigkeitszentren. – Wird Rojava eine Zukunft haben?
Commander Arian
Kommandantin Arian erzählt die Geschichte ihres Traums von Freiheit für kommende Generationen von Frauen. Sie ist Mitglied der YPJ (Women Protection Units), einer rein weiblichen Einheit, die in Syrien gegen die patriarchale und brutale Terrormiliz des Islamischen Staates kämpft.
Bakur
Bakur (North) erzählt vom Krieg, der im Norden der Türkei in der Region Kurdistan herrscht, obwohl er nie offiziell erklärt wurde. Seit über 40 Jahren leben Guerilla-Kämpfer in der lebensfeindlichen Umgebung des Gebirges und führen ihre Schlacht gegen den türkischen Staat. Die Doku beleuchtet Wahrnehmungen, Ziele und Hoffnungen aus unterschiedlichen Camps – aus erster Hand.
Werke der Internationalen Filmkommune Rojava Klick zum Öffnen/Schließen
Mako Sare (Mako ist kalt)
Eine Geschichte über die Freundschaft zwischen einem älteren Mann, der sich um einen Gefallenen-Friedhof kümmert, und einer YPJ-Kämpferin. Sie erzählt ihm von ihrer Stadt und wie kalt es dort ist – etwas, das er niemals vergessen wird.
Dare bitene (Einsame Bäume)
Der Film erkundet die Wurzeln und das Erbe regionaler Sänger*innen, Poet*innen und Geschichtenerzähler*innen – bekannt als Dengbêj. Durch Musik und Landschaftsaufnahmen werden Kunst, Leben und kulturelle Vielfalt Rojavas zelebriert. Eine neue Generation aus der Filmkommune würdigt jene, die Geschichten der Menschen in Rojava in arabischen, kurdischen und assyrischen Liedern lebendig halten.
Kera koh (Das schlechte Messer)
Die Dokumentation zeigt den Alltag einer älteren Frau in der Stadt Derik in Rojava, die jeden Morgen in aller Frühe aufsteht, um Fett von Spachteln zu sammeln. Damit ernährt sie ihre Familie.
Shengal
Als der IS begann, Shengal zu attackieren, flohen viele Menschen in das freie Rojava. Der Dokumentarfilm wurde von Menschen gedreht, die den ankommenden Flüchtlingen halfen, und zeigt Momente der Ankunft und des Ankommens.
Ciroken Bajare weranbuye (Geschichten von zerstörten Städten)
Eine außergewöhnliche und kreative Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Der Film erzählt Geschichten aus den Trümmern des Krieges und lässt uns Städte wie Cezaa, Kobanî und Shengal durch die Augen von Kindern, Familien und Kämpfer*innen kennenlernen, die sie befreit haben.