Zu den verschleppten Frauen im Nordirak

Rudaw.netPressemitteilung von Civaka Azad, 03.09.2014

Dem Vorgehen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Südkurdistan/Nordirak und Rojava/Nordsyrien fallen immer mehr Frauen zum Opfer. Neben Entführung, Vergewaltigung und Mord droht den Frauen auch die Zwangsversklavung. So berichten mehrere Medien von Sexsklavinnenmärkten, auf denen mehrere Tausend Frauen verkauft werden sollen, oder sie werden den Mitgliedern des IS „zur Verfügung gestellt“.

Meral Cicek, Vorsitzende der Women’s Relation Organization mit Sitz in Hewlêr (Erbil), erklärte im Gespräch mit Civaka Azad, dass es sich beim Vorgehen des IS nicht nur um Genozid handele: „Parallel findet ein Feminizid statt. Überall, wo der IS vordringt, werden vor allem Frauen angegriffen. Er strebt an, die Frau gänzlich vom gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Wir rufen alle Frauen der Welt auf, sich mit den Frauen in Kurdistan zu solidarisieren. Speziell muslimische Frauen sind angesprochen, da der IS vorgibt, im Namen des Islam zu handeln. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass dies mit dem Islam nichts zu tun hat.“

Sebahat Tuncel, Parlamentsabgeordnete der Demokratischen Partei der Völker (HDP) aus der Türkei, ließ verlautbaren, dass sie alle Frauen weltweit aufrufe, sich mit dem Widerstand der Frauen in Rojava und Südkurdistan zu solidarisieren: „Wer weiterhin zu den vom IS verübten Verbrechen gegen die Menschlichkeit schweigt, allen voran die Türkei, die Demokratische Partei Kurdistans (PDK), die USA und die EU, ist mitverantwortlich für das Vorgehen dieser Dschihadisten. Seine Angriffe auf die Frau sind ideologisch motiviert. Die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) leisten beispielhaften Widerstand, der sämtlichen Frauen als Motivationsquelle dient.“ [1]

Einem Bericht des „Daily Mirror“ zufolge forderten die Dschihadisten auf Flugblättern Frauen dazu auf, sich am Dschihad zu beteiligen und sich von ihren Sünden reinzuwaschen, indem sie den „Kriegern“ sexuell zu Diensten stünden. Wer dem nicht nachkomme, missachte den Willen Gottes und würde mit dem Tod bedroht werden.[2]

In einem Bericht der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. wird auf öffentliche Plakate des IS in Musil (Mossul) hingewiesen, auf denen es heißen soll: „Wir rufen alle Menschen dieses Landes dazu auf, uns ihre unverheirateten Mädchen zu bringen, so dass sie ihre Pflicht im Sex-Dschihad für die kämpfenden Brüder in der Stadt erfüllen und jeder, der dies nicht tut, wird die Macht der Scharia zu spüren bekommen.“[3]

Die Tageszeitung „Die Welt“ meldet, dass sich mehrere Hundert ezidische Frauen, die nach irakischen Regierungsangaben vom Islamischen Staat (IS) gefangen gehalten werden, in Schulen der Stadt Mossul befänden. Außerdem beruft sie sich auf einen Bericht des UNHCR, demzufolge Frauen auf Sklavenmärkten verkauft werden.[4]

Ferner berichtet die ezidische Parlamentsabgeordnete Dakhil in einem Interview, dass nach der Besetzung des Dorfes Kocho weitere 150 Frauen entführt worden seien.[5]

Auf einem Treffen der Frauenrechtskommission des Nationalkongresses Kurdistan (KNK) mit der islamischen Partei Komela Islamî wurde u.a auf die Situation der vom IS verschleppten Frauen hingewiesen. In einem anschließenden Interview mit der kurdischen Nachrichtenagentur Firat (ANF) erklärte Nilüfer Koc, Kovorsitzende des KNK, dass sich der IS der Methoden psychologischer Kriegsführung bediene: „Um die Völker zur kampflosen Kapitulation zu zwingen, werden Frauen benutzt, indem sie verschleppt und verkauft werden.“[6]

In einem dringenden Appell fordert die Frauenkommission des KNK die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) dazu auf, umgehend Maßnahmen zur Befreiung der gefangenen Frauen zu ergreifen.[7]

Mehrere Menschenrechtsorganisationen rufen den Internationalen Gerichtshof zum Handeln auf. Die Frauenrechtsorganisation „Walk Free“ spricht von mindestens 3000 Frauen und Minderjährigen, die vom IS als Sexsklavinnen, zum Teil für 10 Dollar, verkauft werden sollen. Walk Free ruft die internationale Öffentlichkeit zum unverzüglichen Handeln gegen die Entführung der Frauen durch den IS auf. [8]

Bei einer Zusammenkunft des UN-Menschenrechtsrats in Genf am 01.09.2014 wurde die Zahl der entführten und versklavten Frauen auf mindestens 2750 beziffert. Es wurde betont, dass mit einer weitaus größeren Zahl verschleppter Frauen zu rechnen sei. Mirza Dinnayi, der als Vertretung der ezidischen Bevölkerung auf der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats sprach, forderte vor allem die internationale Öffentlichkeit auf, sich aktiv für die Befreiung der entführten Frauen und Mädchen einzusetzen. [9]

 

[1] Aus einer Erklärung Sebahat Tuncels für Civaka Azad.

[2]http://civaka-azad.org/sex-dschihad-der-heiligen-front/

[3]http://civaka-azad.org/sex-dschihad-der-heiligen-front/

[4]http://www.welt.de/politik/ausland/article131043402/Hunderte-Jesidinnen-von-IS-Terroristen-verschleppt.html

[5]http://www.diclehaber.com/en/news/content/view/415707?from=3534286294

[6]http://firatnews.eu/news/kurdistan/knk-isid-in-kacirdigi-kadinlar-icin-islami-partilerden-yardim-istedi.htm

[7] Der offene Brief ist an den OIC-Generalsekretät Iyad Ameen Madani adressiert: „Urgent Call to the Organisation of Islamic Cooperation“; http://www.kurdishinfo.com/knk-campaign-calls-urgent-action-oic-isis

[8]http://yeniozgurpolitika.org/index.php?rupel=nuce&id=33538

[9]http://firatnews.eu/news/guncel/bm-de-isid-oturumu.htm

 

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