Eskalation in Syrien – Neue Angriffe auf Selbstverwaltungsgebiete angekündigt

Die Lage in Syrien verschärft sich. Die sogenannte Übergangsregierung unter Ahmed al-Scharaa bereitet offenbar neue Angriffe auf die Selbstverwaltungsgebiete in Nord- und Ostsyrien vor. Im Fokus steht erneut die Region Deir Hafer – ein Gebiet, das strategisch zwischen Aleppo und dem Euphrat liegt und in dem die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Strukturen für Stabilität und den Schutz der Bevölkerung sorgen.

Militärische Drohungen und Eskalation

Das syrische Staatsfernsehen veröffentlichte jüngst eine Warnung der syrischen Armee: Das Gebiet um Deir Hafer sei zur militärischen Sperrzone erklärt worden. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, sich von den Stellungen der SDF fernzuhalten. Die Begründung: Die Region sei von „terroristischen Milizen“ durchsetzt – ein altbekanntes Narrativ, das jede Form kurdischer Selbstverwaltung kriminalisiert. Diese Rhetorik zielt auf die Legitimation weiterer Angriffe auf zivile Strukturen. Die Forderung nach einem Rückzug der SDF östlich des Euphrats ist ein Vorwand für ethnisch motivierte Vertreibungen und die Zerschlagung demokratischer Selbstverwaltungsstrukturen.

Ilham Ahmed warnt vor regionaler Destabilisierung

In einer internationalen Pressekonferenz warnte Ilham Ahmed, führende Vertreterin der Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens, vor einer neuen Eskalationswelle. Rund 40.000 dschihadistische Kämpfer stünden bereit, um die Region Deir Hafer anzugreifen – mit Rückendeckung der Übergangsregierung und der Türkei. Ahmed betonte, dass ohne internationale Vermittlung und politische Verhandlungen mit Damaskus ein Flächenbrand drohe, der weit über Syrien hinausreiche. Bereits jetzt gelten mehr als 300 Menschen aus Aleppo als vermisst und über 100 als getötet.

Heyva Sor a Kurd-Mitarbeiter*innen entführt

Heyva Sor a Kurdistanê e.V. meldet die Entführung von drei medizinischen Mitarbeiter*innen der Organisation im kurdisch geprägten Stadtteil Şêxmeqsûd in Aleppo. Die Organisation, die ihren Sitz in Deutschland hat, macht die Übergangsregierung für die Entführung verantwortlich. Die Sanitäter*innen Abdulrahman Muhammad, Rami Hussein al-Ali und der Fahrer Youssef Hanan Hakmo waren im Einsatz für Verletzte, als sie verschleppt wurden. Die Entführung stellt einen klaren Bruch des humanitären Völkerrechts dar. Die Organisation fordert die sofortige Freilassung der drei Entführten sowie eine internationale Intervention zum Schutz humanitärer Helfer*innen.

Weißhelme-Mitarbeiter in Syrien mit Waffe gesichtet

In einem im Internet kursierenden Video ist ein mutmaßlicher Mitarbeiter der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme mit einer Waffe in der Hand zu sehen. Die Bundesregierung unterstütze diese Organisation in der Vergangenheit mehrfach mit Millionenbeträgen. Angesichts der aktuellen Ereignisse in Syrien stellen sich nun drängende Fragen zur Förderpraxis und politischen Verantwortung. Der Einsatz bewaffneter humanitärer Helfer stellt einen schwerwiegenden Tabubruch dar. Menschenrechtsorganisationen fordern eine unabhängige und transparente Untersuchung des Vorfalls.

Proteste in Nordkurdistan und im Südosten der Türkei

In zahlreichen Städten im Südosten der Türkei und in Nordkurdistan kam es zu Protesten gegen die Angriffe auf Rojava und Rojhilat. Vertreter*innen der DEM-Partei, der Menschenrechtsvereine und der Frauenbewegung TJA betonten, dass die Angriffe sich gegen die gesamte kurdische Bevölkerung, gegen das gemeinsame Leben von Kurd*innen, Araber*innen und Suryoye richten und gegen die Errungenschaften der Frauenrevolution. Die gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur, die Entführung von medizinischem Personal und die militärische Eskalation durch islamistische Kräfte zeigen: Die Übergangsregierung ist kein Garant für Frieden, sondern ein Brandbeschleuniger für Instabilität, Vertreibung und Gewalt. Bei Protesten gegen die türkische Beihilfe für die Angriffe auf Aleppo wurden zahlreiche Menschen festgenommen.

Berlin: Protest gegen den Besuch von al-Scharaa

Auf Einladung von Bundeskanzler Merz soll Dschihadist Ahmed al-Scharaa (alias al-Jolani), Präsident der Übergangsregierung, am 19. Januar in Berlin empfangen werden. Zahlreiche Organisationen rufen zum Protest auf.