SDF lösen sich als eigenständige Militärstruktur auf

Mehr als zehn Jahre nach ihrer Gründung haben die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD/SDF) ihre Auflösung als eigenständige Militärstruktur bekannt gegeben. Ihr Generalkommandant Mazlum Abdi erklärte am 25. August in Damaskus die bisherige Mission des Militärbündnisses für beendet. Die Einheiten der SDF werden künftig als Brigaden innerhalb der syrischen Armee weiterbestehen.

Damit erreicht der seit Monaten laufende Integrationsprozess zwischen der kurdisch geführten Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien (Rojava) und der sog. Übergangsregierung in Damaskus einen entscheidenden Punkt. Abdi sprach von einem historischen Übergang von der militärischen Verteidigung hin zu Frieden, Stabilität und Wiederaufbau.

Die SDF waren 2015 mit den kurdischen Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG und YPJ als Militärbündnis gegründet worden. Gemeinsam mit arabischen, assyrisch-aramäischen und weiteren Kräften wurden sie zum wichtigsten lokalen Partner der Internationalen Koalition im Kampf gegen den sog. Islamischen Staat. Tausende Kämpfer:innen verloren dabei ihr Leben.

Mit der Auflösung der SDF endet nun eine zentrale militärische Struktur. Die bisherigen Einheiten verschwinden jedoch nicht, sondern werden in die syrischen Streitkräfte überführt. Mehrere Brigaden wurden bereits neuen Divisionen in Hesekê und Aleppo zugeordnet.

Von der militärischen zur politischen Frage
Die militärische Integration bedeutet allerdings nicht, dass damit auch die kurdische Frage in Syrien gelöst wäre. Offen bleibt vor allem, welche Rechte Kurd:innen im zukünftigen Syrien erhalten und wie die in Nord- und Ostsyrien aufgebauten Formen lokaler Selbstverwaltung künftig ausgestaltet werden.

Im Mittelpunkt stehen dabei die verfassungsrechtliche Anerkennung der kurdischen Bevölkerung, gleichberechtigte Staatsbürgerschaft, muttersprachliche Bildung sowie die Zukunft der lokalen Verwaltungsstrukturen. Auch die künftige Rolle der Frauenverteidigungseinheiten YPJ ist bislang nicht abschließend geklärt.

Die Auflösung der SDF ist deshalb als Übergang in eine neue Phase zu verstehen. Die Auseinandersetzung um die Zukunft der Kurd:innen und der anderen Bevölkerungsgruppen Nord- und Ostsyriens verlagert sich nun zunehmend auf die politische und verfassungsrechtliche Ebene. Entscheidend wird sein, ob die politischen und gesellschaftlichen Errungenschaften Rojavas dauerhaft abgesichert werden und ob daraus ein demokratisches und pluralistisches Syrien entstehen kann