„Kobanê ist vollständig eingeschlossen“
Der türkische Filmemacher Önder Çakar beschreibt die Lage in Kobanê: Strom, Wasser und Internet sind gekappt, Fluchtwege blockiert. Die Angriffe treffen gezielt die Zivilbevölkerung. Eine Allianz aus syrischen Truppen, Dschihadistenmilizen und der Türkei belagert die Stadt. Anders als 2014 gibt es keine Fluchtmöglichkeit mehr. Die Angst von damals ist heute einer wütenden Entschlossenheit gewichen. Çakar spricht von religiösem Faschismus und gezielter Gewalt gegen Frauen. Die kurdisch-arabische Zusammenarbeit sei ein zentrales Angriffsziel. Internationale Hilfe erwartet niemand mehr – der Widerstand stützt sich auf Selbstorganisierung und weltweite Solidarität. „Ohne Freiheit hat Kunst keinen Sinn“, sagt Çakar.
Massive Vertreibung und humanitäre Not in Nord- und Ostsyrien.
Die Lage in Rojava spitzt sich heftig zu. Seit Wochen eskaliert die selbsternannte syrische Übergangsregierung gemeinsam mit islamistischen Milizen und der Türkei die Angriffe. Über 170.000 Menschen wurden vertrieben, viele fliehen nach Cizîrê – trotz überfüllter Aufnahmelager. Besonders Kobanê ist betroffen: Rund 150.000 Menschen sind eingeschlossen, ohne Strom, Wasser oder medizinische Versorgung. Fluchtwege und Hilfszugänge sind blockiert. Die DAANES-Vertretung fordert einen humanitären Korridor, internationalen Schutz und ein Ende der Vertreibungen. „Die Solidarität der Weltgemeinschaft ist überlebenswichtig“, so Repräsentant Khaled Davrisch.
YPJ: „Unmenschliche Angriffe bleiben nicht straflos“
Nach der Ermordung und Verstümmelung mehrerer Kämpferinnen rufen die YPJ zur weltweiten Mobilisierung im Geist von Kobanê auf. Seit dem 6. Januar greifen HTS-Milizen unter türkischer Kontrolle gezielt Frauen an, die für ein demokratisches, solidarisches Leben kämpfen. Besonders schändlich: die öffentliche Zurschaustellung getöteter kurdischer Kämpferinnen. Die YPJ kündigt entschlossene Vergeltung an. „Unsere Haare lösen in den Herzen unserer Feinde Angst aus“, heißt es. Die Frauenrevolution in Rojava sei ein Garant für Freiheit – getragen von 15.000 Gefallenen. Die YPJ ruft alle Frauen weltweit auf, sich der Mobilisierung anzuschließen: „Wir werden niemals kapitulieren.“
QSD ziehen sich aus Al-Aqtan-Gefängnis zurück
Nach tagelanger Belagerung und schweren Angriffen durch HTS-Milizen und türkische Drohnen sahen sich sich QSD-, YPJ-, YPG- und Antiterroreinheiten gezwungen, ihre Kräfte aus dem Al-Aqtan-Gefängnis bei Raqqa zurückzuziehen und in die umkämpften Gebiete zu verlegen, um Massaker an der Zivilbevölkerung und den Fall Kobanés zu verhindern. Das Al-Aqtan-Gefängnis galt als Hochsicherheitsgefängnis für IS-Mitglieder. Trotz großer Schwierigkeiten verhinderten die Verteidiger:innen tagelang einen Ausbruch der rund 2.000 IS-Inhaftierten. Die internationale Anti-IS-Koalition hatte zugesagt, die Sicherung zu übernehmen, hielt ihre Zusage jedoch nicht ein und nun kontrollieren islamistische Regimetruppen das Gelände. Die Gefahr eines Massenausbruchs von IS-Kämpfern steigt, während bereits tausende IS-Kämpfer durch die islamistischen Milizen aus zahlreichen Haftentstalten freigelassen wurden.
Messerangriff auf kurdische Kundgebung in Antwerpen
Bei einer kurdischen Demonstration in Antwerpen (Belgien) wurden sechs Menschen durch Messerstiche verletzt, zwei davon lebensgefährlich. Laut Polizei griffen vier mutmaßliche Täter gezielt Teilnehmende kurz nach Ende der Kundgebung an. Nav-Bel spricht von einem dschihadistisch motivierten Terroranschlag gegen Kurd:innen. Die Demonstration richtete sich gegen die Angriffe auf Rojava. Nav-Bel fordert, den Vorfall als Terrorakt zu werten und warnt vor wachsendem Hass gegen Kurd:innen.
Karawane nach Kobanê gestartet
In Hannover ist der erste Konvoi der „Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit“ aufgebrochen. Von dort setzte er seine Reise nach Kassel fort, wo sich zahlreiche weitere Menschen angeschlossen haben. Die Initiative ist ein Zeichen internationaler Solidarität mit der belagerten Stadt Kobanê und reagiert auf einen Aufruf der Selbstverwaltung in Rojava. Sie will das Schweigen zu den Angriffen durch islamistische Regimetruppen, Dschihadistenmilizen und die Türkei brechen. Ziel ist die Verteidigung von Basisdemokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt. Stationen sind u. a. Köln, Frankfurt, Zürich und Wien. Sprecherin Gesa Jonasson: „Wir werden viele sein und wir werden laut sein. Die Frauenrevolution wird verteidigt.“
Informationen rund um die Karawane finden sich auf der Webseite:
https://peoplescaravan.tem.li/language/de/die-karawane/
Verluste für Milizen bei Gefechten in Sirîn
Ein Angriff islamistischer Milizen auf die Ortschaft Sirîn bei Kobanê wurde von QSD-, YPG- und YPJ-Kräften abgewehrt. Die Dschihadisten, unterstützt von syrischen und türkischen Truppen, erlitten laut YPG-Pressestelle erhebliche Verluste. Mehrere Fahrzeuge und Waffen, darunter ein gepanzertes Fahrzeug, ein Raketenwerfer und Munition, wurden sichergestellt. Die Region gilt als strategischer Brennpunkt im Krieg gegen Rojava. Laut YPJ-Kommandantin Nesrîn Abdullah bereitet die Türkei eine Einkesselung Kobanês vor. Sie warnt vor einer möglichen Invasion und einem drohenden Massaker an der Zivilbevölkerung.
Dringender Spendenaufruf für Rojava
Heyva Sor a Kurdistanê ruft angesichts eskalierender Angriffe auf ganz Rojava zur humanitären Mobilisierung auf. Die Kampagne, ursprünglich für Aleppo gestartet, wurde auf alle betroffenen Regionen ausgeweitet. Hunderte Zivilist:innen wurden getötet, Zehntausende vertrieben. Krankenhäuser, Infrastruktur und Wohngebiete werden gezielt angegriffen, lebenswichtige Versorgung ist zusammengebrochen. Die Organisation koordiniert mit Partnern aus aller Welt die Verteilung von Hilfsgütern an Vertriebene. „Jede Spende kann Leben retten“, heißt es im Aufruf.
Auf folgendes Konto kann gespendet werden:
Heyva Sor a Kurdistanê e.V.
Kreissparkasse Köln
IBAN: DE49 3705 0299 0004 0104 81
BIC/SWIFT: COKSDE33XXX
Verwendungszweck: Rojava
PayPal: heyvasorakurdistan@gmail.com