13 Jahre nach dem Mord an Sakine Cansız, Fidan Doğan und Leyla Şaylemez

13 Jahre nach dem Mord an den kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansız (Sara), Fidan Doğan (Rojbîn) und Leyla Şaylemez (Ronahî) durch den türkischen Geheimdienst in Paris bleibt die Forderung nach Aufklärung und Gerechtigkeit aktueller denn je.

Die drei Frauen, die zu den sichtbarsten Vertreterinnen der kurdischen Freiheits- und Frauenbewegung gehörten, wurden am 9. Januar 2013 im Kurdischen Informationszentrum in Paris erschossen. Es war ein politischer Anschlag, der von Beginn an klare Spuren zum türkischen Geheimdienst MIT aufwies. Der Täter, Ömer Güney, dessen Verbindungen zum MIT dokumentiert waren, starb kurz vor Prozessbeginn unter bis heute ungeklärten Umständen. Sein Tod verhinderte eine öffentliche Verhandlung, die die Hintermänner und politischen Verantwortlichkeiten hätte offenlegen können. 

Für Kurd:innen weltweit war dieser Mord ein Angriff auf das Herz der Bewegung, denn Sara, Rojbîn und Ronahî waren Symbolfiguren der Losung „Jin, Jiyan, Azadî“, die heute global für den Kampf von Frauen gegen Unterdrückung und für Freiheit steht.

Bis heute ist die kurdische Gesellschaft tief betroffen, die französischen Behörden allerdings beantworteten zentrale Fragen nie. Hinweise, die 2017 durch Aussagen gefangener MIT-Agenten veröffentlicht wurden und die direkte Beteiligung des türkischen Geheimdienstes belegten, wurden von der französischen Justiz nicht weiterverfolgt. 

Diese Blockade verhindert nicht nur die Aufklärung, sondern gefährdet weiterhin aktiv die Sicherheit der kurdischen Community in Europa. Vor diesem Hintergrund warnen kurdische Institutionen seit Jahren: Solange der Anschlag von 2013 nicht vollständig aufgeklärt wird, bleibt die Gefahr weiterer Angriffe bestehen. Diese Warnung bestätigte sich im Dezember 2022, als im Ahmet-Kaya-Kulturzentrum in Paris – nur wenige Meter vom ersten Tatort entfernt – erneut drei kurdische Aktivist:innen erschossen wurden: Evîn Goyî, Mîr Perwer und Abdurrahman Kızıl.

Auch im zweiten Fall versuchte die französische Staatsanwaltschaft zunächst, die Tat zu entpolitisieren und den Täter als „rassistischen Einzeltäter“ darzustellen. Erst durch massiven öffentlichen Druck wurde diese Darstellung abgeschwächt, doch bis heute weigern sich die französischen Behörden, den Anschlag als politisch motivierten Terrorakt zu behandeln. Die Ermittlungen laufen weiter, doch ein Verhandlungstermin wurde nicht angesetzt. Für die kurdische Gemeinschaft ist klar: Beide Anschläge folgen einem Muster staatlich organisierter Gewalt, die darauf abzielt, die kurdische Freiheitsbewegung auch in Europa zu schwächen. Der türkische Geheimdienst agiert weiterhin aktiv auf europäischem Boden und die kurdische Bevölkerung lebt damit unter realer Bedrohung.