Seit dem 28. Dezember 2025 dauern in Iran und Ostkurdistan landesweite Aufstände an, ausgelöst durch wirtschaftliche, politische und soziale Krisen. Trotz massiver Repression durch das iranische Regime – mit Tötungen, Festnahmen und Entführungen – wächst die Entschlossenheit der Bevölkerung. Die Proteste breiten sich täglich auf weitere Städte und Regionen aus. Besonders in den Provinzen Îlam und Kirmaşan, aber auch in Hamadan, Luristan und der Bachtiari-Region, formiert sich ein neuer Widerstand gegen autoritäre und islamistische Herrschaft – getragen von dem Ruf „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit).
Die aktuellen Aufstände stehen jedoch nicht isoliert, sondern in einer längeren Kontinuität sozialer und politischer Kämpfe. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu landesweiten Demonstrationen gegen wirtschaftliche Not, Korruption, Hinrichtungen und die autoritäre Herrschaft des Mullah-Regimes. Besonders in den kurdischen Regionen Irans, die systematisch politisch, wirtschaftlich und kulturell benachteiligt werden, ist der Widerstand seit Jahrzehnten tief verankert. Anstatt auf die legitimen Forderungen der Bevölkerung einzugehen, antwortet das Regime mit Verhaftungen, Folter, militärischer Gewalt und Hinrichtungen.
PJAK spricht von gezielten Tötungen und ruft zu Protesten auf
Die Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK) spricht von gezielten Tötungen. Sie ruft zur Ausweitung der Proteste auf weitere Landesteile auf und betonte das Recht auf Selbstverteidigung. Helgurt Rojhilatî, Mitglied des PJAK-Rates, bezeichnete die aktuellen Proteste als Fortsetzung der feministischen Revolution „Jin, Jiyan, Azadî“, die weit über wirtschaftliche Forderungen hinausgehe. „Die Menschen sind für ein freies Leben aufgestanden. Sie fordern ein Leben in Würde. Das iranische Volk kämpft für ein freies Leben – das ist ein Grundrecht“, so Rojhilatî.
Frauen im Zentrum des Aufstandes
In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen lokale Frauenorganisationen die Angriffe der iranischen Revolutionsgarden auf Demonstrierende als gravierende Menschenrechtsverletzungen. Sie erinnern daran, dass Frauen seit jeher an vorderster Front sozialer Kämpfe stehen und sich gegen sexistische wie rassistische Unterdrückung wehren. Die Organisationen fordern die internationale Gemeinschaft auf, den Widerstand der Bevölkerung aktiv zu unterstützen.
Ein Bericht des Kurdistan Human Rights Network (KHRN) dokumentiert die Brutalität der Repression: In Îlam, Kirmaşan und Lorestan wurden über zwölf kurdische Demonstrierende getötet, mehr als 200 festgenommen – darunter mindestens 20 Minderjährige, die laut KHRN Opfer sexueller Gewalt wurden. Laut aktuellen Berichten wurden landesweit mindestens 36 Menschen getötet und über 2.000 Menschen festgenommen (Stand 08.01.2026).
Die anhaltenden Proteste verdeutlichen den wachsenden Unmut weiter Teile der Gesellschaft, die sich nicht länger mit Unterdrückung, Armut und politischer Bevormundung abfinden. Die feministische Revolte im Iran ist längst zu einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung geworden – getragen von Frauen und getragen von der Hoffnung auf ein freies, würdiges Leben. „Jin, Jiyan, Azadî“ ist dabei nicht nur ein Slogan, sondern der Ruf nach Gerechtigkeit.