Wir sind alle YPJ – Wir sind alle Arîn Mîrkan

Von Arîn Mîrkan bis zu den heutigen Kämpferinnen der YPJ reicht eine Geschichte des Widerstands, die weit über Kurdistan hinausweist. Ein Gastkommentar von Newroz Ristum über Frauenbefreiung, Selbstverteidigung und internationale Solidarität.

Von Newroz Ristum

„Mein Körper mag gehen, aber mein Wille lebt in euch weiter. Ihr seid in diesem Kampf nicht allein; jede freie Frau auf dieser Welt ist ein Echo meiner Stimme und eine Fortsetzung meines Widerstands.“

Diese Worte, die als Vermächtnis Arîn Mîrkans verstanden werden können, richten sich bis heute an das Gewissen der Menschheit. Sie überwinden die Grenzen von Zeit und Raum. In einer Zeit, in der Freiheit oft zu einem Schlagwort entleert wird, zeigen die Kämpferinnen der Frauenverteidigungseinheiten YPJ durch ihre Entschlossenheit, dass Freiheit nicht nur ein Gedanke ist, sondern eine Haltung, eine Tat und ein Wille.

Arîn verteidigte nicht nur eine Stadt, eine Region oder eine Front. Sie verteidigte die Würde der Frau und der Menschheit. Sie machte ihren eigenen Körper zur Brücke, über die der Freiheitswille von Frauen weltweit sichtbar wurde. Sie zeigte, dass eine Frau nicht versklavt werden kann, dass ihr Wille nicht gefangen genommen werden kann und dass selbst unter den dunkelsten Bedingungen einer Belagerung die Idee der Freiheit neu geboren werden kann.

Als Arîn in der Schlacht um Kobanê kämpfte, sah sie ihren Tod nicht als Ende, sondern als Beginn einer neuen Ära. Mit ihrer aufopferungsvollen Tat hinterließ sie eine unüberhörbare Botschaft an jede Frau, deren Freiheit geraubt und deren Leben unter patriarchaler Gewalt, Unterdrückung und Entrechtung eingeschränkt wird: Ihr seid nicht allein.

Ihr seid nicht allein: Widerstand ist die Heimat der Seele

Die Schützengräben der YPJ waren weit mehr als bloße Erdwälle in Rojava. Sie wurden zu einem Zufluchtsort für freie Geister und zu einer Quelle der Kraft für Frauen, deren Träume durch Unrecht, Gewalt und Ausgrenzung bedroht wurden. Die Kämpferinnen der YPJ haben gezeigt, dass feministische Solidarität keine bloße Parole ist. Sie ist eine Kraft, die Marginalisierung durchbricht, Angst überwindet und Frauen weltweit miteinander verbindet.

Aus den Trümmern des standhaften Kobanê erhob sich der Ruf „Jin, Jiyan, Azadî“ – Frau, Leben, Freiheit. Er wurde zu einer Sprache der Welt: eine Brücke zwischen dem stillen Schmerz jeder unterdrückten Frau und dem unbeugsamen Willen jener Kämpferinnen, die mit ihrem Leben die Würde der Menschheit verteidigten.

Diese internationalistische Haltung verkörperte sich in einem Kampf, der geografische Grenzen, Herkunft und Ethnien überschritt. Ivana Hoffmann zeigte, dass die YPJ nicht nur eine kurdische, sondern eine grenzüberschreitende humanistische Idee verkörpern. Jiyan Tolhildan wiederum machte deutlich, dass Widerstand nicht nur Mut an der Front bedeutet, sondern auch organisiertes Bewusstsein: von der Verteidigung des Bodens bis zum Aufbau einer neuen Gesellschaft.

Das Gedenken an diese Namen – von Arîn über Ivana bis hin zu Jiyan, Avesta und vielen anderen – ist kein bloßes Erinnern und kein bloßes Trauern. Es bedeutet, politische und moralische Verantwortung zu übernehmen. Denn ein Kampf lebt nicht allein von seinen Institutionen. Er lebt von den Menschen, die diesen Institutionen Sinn, Seele und Richtung geben.

Wenn heute die Anerkennung der YPJ gefordert wird, dann nicht nur um der Lebenden willen. Sie ist auch eine Verpflichtung gegenüber den Frauen, die in diesem Kampf ihr Leben ließen. Kein neues System kann gerecht sein, wenn es ihren Mut, ihre Anstrengungen und ihre Pionierrolle ignoriert.

Warum wir alle YPJ sein sollten

Von jedem Winkel der Erde aus unterstützen wir heute die YPJ. Denn sie verteidigen nicht nur die Geografie Nordsyriens. Sie kämpfen in den Schützengräben der Geschichte, um Frauen ihr Recht auf Existenz, Würde und Selbstbestimmung zurückzugeben.

Diese rote Linie ist kein Beharren auf Krieg, sondern ein Beharren auf Freiheit. Sie ist keine Forderung nach Abgrenzung, sondern eine moralische Garantie für ein demokratisches Zusammenleben. Sie ist ein universeller Einspruch gegen jeden Versuch, Frauen aus der Geschichte zu verbannen.

Jeder Frieden, der die institutionelle Absicherung von Frauenfreiheit nicht gewährleistet, bleibt unvollständig. Ein Frieden, der die Organisierung, Selbstverteidigung und politische Teilhabe von Frauen ausblendet, kann keine gerechte Zukunft hervorbringen.

Das Ausbleiben der Anerkennung ist deshalb mehr als nur ein Nicht-Nennen eines Namens. Es ist eine Auslöschung von Gedächtnis. Es ist eine Enteignung von Anstrengungen. Es ist der Versuch, die Institutionen der Frauenfreiheit im patriarchalen Staatsdenken aufzulösen.

Diesen Zorn müssen wir richtig verstehen. Es ist kein destruktiver Zorn. Es ist ein konstruktiver Zorn. Es ist keine Forderung nach Rache, sondern nach historischer Gerechtigkeit.

Wir erklären heute unsere klare Haltung: Die YPJ waren eine Stütze für alle, die an Freiheit, Würde und Gleichheit glauben. Und wir werden sie nicht allein lassen. Unsere Unterstützung ist kein bloßer emotionaler Akt. Sie ist ein Bekenntnis.

Euer Widerstand ist unsere Festung. Eure Standhaftigkeit ist eine Garantie für die Würde jeder Frau, die nach Freiheit strebt. Jede Bedrohung, die euren Himmel verdunkelt, ist ein Angriff auf den Traum jeder Frau auf diesem Planeten, frei von Unterdrückung, Gewalt und Entmündigung zu leben.

Wir wissen: Unsere Freiheit ist mit eurer Freiheit verbunden. Eure Stimme darf nicht leiser werden. Eure Geschichte darf nicht ausgelöscht werden. Eure Opfer dürfen nicht vergessen werden.

Mit unseren Stimmen, unseren Federn und unserer standhaften Haltung sagen wir der Welt: Ihr habt bewiesen, dass ihr nicht allein seid. Und heute verkünden wir ebenso: Auch wir sind nicht allein. Denn wir alle stehen hinter der YPJ.

Wir sind alle YPJ. Wir sind alle Arîn Mîrkan.