Drogen und Selbstmorde haben in Ostkurdistan erschreckende Ausmaße erreicht

ostkurdistanWas die Anzahl der Drogenkonsumenten in einem Land angeht, hat die Islamische Republik Iran weltweit die Nase vorn. Vor den Augen der Regimekräfte hat die Zahl der Drogenkonsumenten vor allem in Ostkurdistan (Nordwestiran) erschreckende Maße erreicht. Allein in der Region Sine sollen ca. 21 000 Menschen Drogen konsumieren. Auch die Zahl der Selbstmorde in Ostkurdistan hat Rekordhöhen erreicht. Nach Untersuchungen gibt es im Iran wöchentlich 13 Selbstmorde, von denen allein in der Provinz Ilam vier passieren.

Im Iran ist ein Transitland für Drogen und ein beachtlicher Teil wird im Inland konsumiert. Während im gesamten Iran schon Millionen von Menschen Drogen nehmen, wächst auch die Zahl der Konsumenten in Ostkurdistan täglich weiter an.

Nach Angaben der Antidrogenpolizei nehmen in der Region Sine 21 000 junge Menschen Drogen. Aber man geht davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.
Nach Meldungen der Medien führt die iranische Drogenpolizei in ihren Berichten auf, dass die Drogenabhängigkeit um 196 % gestiegen ist. In den Drogenberichten ist aufgeführt, dass im Jahr 2012 1744 Personen aus der Region Sine wegen Drogensucht in Rehabilitationszentren behandelt wurden. Nach Berichten wird an diesen Orten, die Rehabilitationszentren genannt werden, auch gefoltert und misshandelt. Viele, die in den Zentren behandelt worden sind, sollen wegen der erlittenen Folterungen an schweren psychologischen Problemen leiden.

Nach Angaben von Fachleuten, die den Drogenverkehr im Iran beobachten, werden junge Menschen in Ostkurdistan von den Mafiagruppen, die unter Beobachtung der revolutionären Garde stehen, bewusst in den Drogensumpf gezogen.

WELTHÖCHSTER KONSUM VON DROGEN UNTER DEN EINWOHNERN
Der Iran ist ein wichtiges Durchgangsland für den Drogentransport von Afghanistan nach Europa und zum Mittleren Osten. Und der Iran ist selbst von den Drogen stark betroffen. Nach offiziellen Schätzungen konsumieren 2 Mill. der 75 Mill. Einwohner Drogen und 400 000 davon sind Heroinabhängig. Und nach anderen Quellen konsumieren sogar mehr als 11 Mill. Menschen Drogen.

Und die Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass es 5 bis 6 Mill. Drogenkonsumenten gibt, von denen ein großer Teil Heroin oder Opium nimmt und der Iran damit die welthöchste Zahl an Konsumenten hat. 16 % bis 21 % dieser Drogen werden injiziert. Abhängig davon steigt auch die Zahl der AIDS Infizierten und anderer infektiöser Krankheiten im Land. Es wird geschätzt, dass sich im Iran mehr als 100 000 Menschen mit AIDS angesteckt haben. Des Weiteren sind 10 % der Drogenkonsumenten weiblich. Das führt u.a. dann dazu, dass die Frauen sich zur Drogenbeschaffung prostituieren.

TODESSTRAFEN
Neben dem Anstieg der Anzahl von Drogenkonsumenten steigt auch die Zahl der Todesstrafen wegen Drogenhandels enorm an. Der Iran ist neben China, Saudi-Arabien und den USA eines der Länder mit der höchsten Anzahl von Hinrichtungen. Nach der Scharia dürfen im Iran Todesstrafen wegen Mord, Vergewaltigung, bewaffnetem Überfall, Drogenhandel und Ehebruch verhängt werden. Die Gefangenen, die zum Tode verurteilt wurden, wurden zum Großteil wegen Drogenhandels verurteilt.

Nach Erklärungen der UN im Oktober hat das iranische Regime in den ersten acht Monaten in 2012 300 Menschen hingerichtet. Es wird jedoch vermutet, dass die realen Zahlen weit höher liegen. Die UN hatte ermittelt, dass in diesem Land 2011 670 Hinrichtungen stattgefunden haben. Die Organisationen Human Rights Watch (HRW) und Harm Reduction International (HRI) hatten dieses Jahr eine gemeinsame Erklärung abgegeben, wonach das iranische Regime 2010 und 2011 insgesamt ca. 1000 Menschen wegen Drogenhandels oder Drogenkonsums hingerichtet hatte.

Beide Organisationen wiesen darauf hin, dass allein 2011 mindestens 600 mit dem Tode bestraft worden seien und 80 % dieser Hinrichtungen u. a. auch wegen „nur Konsum“ in Verbindung mit Drogen seien. Und nach Zahlen von Amnesty International (AI) wurden 2009 mindestens 389 Todesstrafen verhängt, von denen 166 Hinrichtungen in Verbindung mit Drogen standen.

REKORDANSTIEG BEI SELBSTMORDEN
Auch bei der Anzahl der Selbstmorde gibt es einen bedrohlichen Anstieg. Ostkurdische Menschenrechtsorganisationen und andere zivile Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, sind wegen der steigenden Zahl der Selbstmorde beunruhigt. Dr. Cafer Buelheri, Vorsitzender des psychologischen Institutes in Tehran gibt an, dass im Iran jährlich 60 000 Menschen versuchen sich selbst zu töten. Und der Sekretär des Ausschusses der psychologischen Abteilung, Perviz Müzaheri erklärt, dass 25 % der Gesellschaft psychologische Probleme hat.

Nach offiziellen Zahlen aus dem Gesundheitswesen, ist die Zahl der Selbstmorde im Iran im Vergleich zu den Vorjahren um 9,4 % gestiegen. Der iranische Arzt Hüseyin Laciwerd sagt, dass Selbstmordversuche bei Frauen um das achtfache höher sind, als bei Männern.

REGION ILAM BEI SELBSTMORDEN AN ERSTER STELLE
Im Iran heißt es, sollen jede Woche 13 Menschen Selbstmord begehen, vier davon in der Region Ilam. Es fällt ins Auge, dass die meisten Selbstmorde neben Ilam in den ostkurdischen Städten Kirmasan, Sine und Hemedan auftreten. Nicht nur Selbstmorde von Frauen, Drogenkonsum und Todesstrafen steigen, sondern parallel dazu steigen auch Gewalt gegen Frauen sowie Prostitution an. Sadik Rüstemi, Vorsitzender der Gesundheitsorganisation der Provinz Ilam vermerkt, dass die meisten Selbstmorde im Iran in der Region Ilam passieren. Rüstemi sprach mit der Nachrichtenagentur ISNA und betonte, dass in dieser Region jede Woche vier Personen Selbstmord begehen, und dass die meisten davon junge verheiratete Frauen seien. Rüstemi betonte, dass vor allem bei den unter 30-Jährigen die Selbstmordgefahr besonders groß sei..

GRÜNDE FÜR SELBSTMORD
Daryus Qabari, Abgeordneter der Region Ilam, wies darauf hin, dass in der Region 2011 2000 Menschen Selbstmord begannen haben und gab als Grund wirtschaftliche Probleme und Arbeitslosigkeit an. Nach Statistiken leben 40 % der iranischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze, 25 % sind arbeitslos. Es fällt auf, dass in Zencan und Gilan mehr Selbstmorde von Männern als von Frauen passieren, aber in Loristan, Türkmensahr und Ilam die Zahl der verheirateten Frauen, die Selbstmord begehen, höher ist. Der Anteil junger Frauen unter den Selbstmorden ist in ganz Iran zu sehen.

Nach Untersuchungen gibt es folgende ausschlaggebende Faktoren bei Selbstmorden: familiäre Probleme, frühe Ehen, große Altersunterschiede zwischen Ehepartnern, Unstimmigkeiten der Ehepartner, Mehrehen, Scheidung, Tabu, Elend … 80 % der Selbstmorde in Ilam werden von jungen Frauen begannen. Es wird davon ausgegangen, dass 18 % wegen Depressionen, 14 % wegen „Ehre“ und 8 % wegen des Elends durchgeführt werden.

Quelle: ANF 03.01.2013, ISKU