Iran: Hinrichtung von zwei kurdischen politischen Gefangenen – weitere 26 stehen unmittelbar bevor

Pressemitteilung von Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V., 27.10.2013

Der kurdische politische Gefangene Habibullah Gulperipur wurde am 26.10. im Gefängnis von Urmiye, Iranisch-Kurdistan, gehängt. Der junge Politiker war seit 2007 inhaftiert und wurde schwer gefoltert. Die Behörden verlegten ihn ständig von einem Gefängnis ins andere.

Nach ersten Informationen der Familie von Gulperipur wurde sie aufgefordert, ins Gefängnis von Urmiye zu kommen. Dort teilte man ihr mit, ihr Sohn sei bereits gehängt und zum Leichenschauhaus gebracht worden. Die Familie konnte seinen Leichnam bislang weder sehen noch zur Bestattung mitnehmen.

Wegen Mitgliedschaft in der PJAK (Partei für ein Freies Leben in Kurdistan) war Gulperipur am 27. September 2007 vom Geheimdienst der Revolutionswächter in Mahabad verhaftet und danach schwer gefoltert worden. Am 14. März 2013 wurde er zum Tode verurteilt. Aus Protest gegen das Urteil war Gulperipur in einen 15-tägigen Hungerstreik getreten.

Kurz nach dem Bekanntwerden der Hinrichtung von Gulperipur erreichte am Nachmittag desselben Tages noch eine weitere Meldung von der Hinrichtung eines weiteren politischen Gefangenen die Öffentlichkeit. Der Kurde Ilham Mamedi war 2008 ebenfalls wegen vermeintlicher Mitgliedschaft in der PJAK festgenommen worden. Er wurde in der Nacht vom 25. auf den 26.10. im Gefängnis von Selmas hingerichtet und daraufhin heimlich von den Sicherheitskräften begraben. Laut Angaben des Anwalts von Mamedi wurde dieser zunächst zum Tode verurteilt worden, doch im Jahr 2013 war die Strafe eigentlich in eine 25jährige Haftstrafe umgewandelt worden. Am 26. Oktober erreichte in den Morgenstunden dann allerdings die Meldung der Hinrichtung von Mamedi dessen Familien.

Nach den beiden Hinrichtungen soll es in vielen Städten Ostkurdistans zu Protesten gegen das iranische Regime gekommen sein. Aus der Heimatstadt Mamedis Selmas wurde berichtet, dass iranische Sicherheitskräfte die Zufahrtswege versperrt haben, um die Proteste einzudämmen.

KCK verurteilt die Hinrichtungen scharf

In einer schriftlichen Erklärung verurteilten die Kovorsitzenden des Exekutivrates der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) die Hinrichtungen der beiden kurdischen Gefangenen im Iran scharf. Sie forderten die kurdische Bevölkerung dazu auf, ihren Widerstand gegen das Regime zu erhöhen. Zugleich warnten sie den Iran, dass durch die Hinrichtung von kurdischen AktivistInnen der Weg für eine politische Lösung der kurdischen Frage im Iran deutlich erschwert werde. “Der Iran muss deshalb mit sofortiger Wirkung die Hinrichtungen einstellen und für eine Lösung der Frage mit der PJAK in Dialog treten und eine Verhandlungsphase eröffnen. Das ist sowohl für die Bevölkerung Kurdistans als auch die Völker des Irans die einzige richtige Haltung”, heißt es weiter in der Erklärung.

Im Iran leben rund 15 Millionen KurdInnen, die meisten von ihnen in den Provinzen Urmiye, Sine (Sanandadsch) und Kurdistan. Als ethnische und religiöse Minderheit, die KurdInnen im Iran gehören mehrheitlich nicht dem schiitischen Mehrheitsglauben an, werden sie im Iran einer Assimilations- und Unterdrückungspolitik ausgesetzt. Repressionen gegen politisch aktive KurdInnen sind an der Tagesordnung. So wurden allein seit 2007 insgesamt 13 kurdische politische Gefangene hingerichtet. 26 weitere kurdische politische Gefangene sind von der Hinrichtung bedroht. Ihre Namen lauten Şêrko Mearifî, Hebîbûlla Letîfî, Samî Husênî, Cemal Mihemedî, Rustem Erkiya, Mistefa Selîmî, Enwer Rostemî, Îrec Mihemedî, Mihemed Emîn Agûşî, Ehmed Pûladxanî, Hesen Tale’î, Ezîz Mihemedizade, Ebdûlah Sirurî, Reşîd Axkendî, Loqman Muradi, Zanyar Muradi, Bextiyar Mimari, Sirwan Nijwarî, Hoşeng Rezayî, Simko Xurşîdî, Saman Nesîmî, Mensûr Arwend, Sîrwan Nejad, Hebîb Eşrafî, Elî Eşrafî und Îbrahîm Îsapûr.

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