Türkischer Autokorso in Berlin endet für 67-jährigen Kurden tödlich

Ein nächtlicher türkischer Autokorso anlässlich des Sieges der türkischen Nationalmannschaft am 26. Juni gegen Tschechien endete für den 67-jährigen Passanten Sait T. tödlich. Er wurde als Unbeteiligter von einem am Autokorso beteiligten Fahrzeug erfasst und erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Der Vorfall ereignete sich gegen 23:30 Uhr, als der gemietete Mercedes AMG SL63 mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Karl-Marx-Straße fuhr. Das Opfer versuchte noch vergeblich, dem Wagen auszuweichen, wurde jedoch erfasst und etwa 20 Meter durch die Luft geschleudert. Während der mutmaßliche Täter (26) gemeinsam mit zwei weiteren Autoinsassen in ein anderes Auto stieg und zunächst flüchtete, leisteten Zeug*innen Erste Hilfe und alarmierten sofort Polizei und Feuerwehr. Erst eine Stunde später stellte sich der mutmaßliche Täter der Polizei. Laut Zeugenaussagen wurden vor dem Zusammenstoß türkische Fahnen aus dem Auto geschwenkt. Der Fahrer wurde nach der erkennungsdienstlichen Behandlung und der Vernehmung durch die Polizei wieder entlassen. Trotz des tragischen Todes von Sait T. setzten die türkischen Fans ihre Feierlichkeiten bis spät in die Nacht in ganz Deutschland fort.

Zahlreiche kurdische Politiker*innen, Vereine sowie Organisationen hatten bereits zu Beginn der diesjährigen Europameisterschaft vor dem gefährlichen und bedrohlichen Verhalten der türkischen Fanszene gewarnt. „Das Zelebrieren türkischer Angriffskriege gegen Kurdinnen und Kurden durch Anhänger türkischer Fußballklubs oder der Nationalmannschaft darf hierzulande nicht länger ignoriert werden. Ob beim Autokorso in Dortmund oder auf der Fanmeile in Hamburg: An vielen Orten Deutschlands wurden rassistische Parolen skandiert, der »Graue ­Wölfe«-Gruß gezeigt“, erklärte Ruken Akça, Co-Vorsitzende des größten kurdischen Dachverbands in Deutschland KON-MED im Gespräch mit der Jungen Welt.

Seit Beginn der Europameisterschaft lässt sich eine Intensivierung der öffentlichen Präsenz türkischer Fußballfans und Rechtsextremisten beobachten, die ihre menschenverachtende Ideologie ungehemmt auf die Straße tragen. Dies stellt besonders für Menschen, die zum Feindbild der türkischen Rechten gehören, eine schwere Bedrohung dar. Diese bedrohliche Entwicklung wurde von den Sicherheitsbehörden weitgehend ignoriert: vermeintliche Fußballfeierlichkeiten, die zu rechten Machtdemonstrationen mutieren, unzählige Fälle des Zeigens des sog. Wolfsgrußes (Handzeichen der rechtsextremen Grauen Wölfe), rassistische Parolen und Drohungen gegen Kurd*innen, Kriegsverherrlichung, tätliche Angriffe auf gegnerische Fans und Sicherheitskräfte, Sachbeschädigung, sowie gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr durch unkontrollierte und stundenlange Autokorsos, die nun den 67-jährigen Kurden Sait T. das Leben gekostet haben.

Die UEFA, die ihr Engagement gegen Rassismus und Nationalismus im Sport bekräftigt, verhielt sich während des gesamten Zeitraums passiv gegenüber der Bedrohung und der menschenverachtenden Hetze, die von der türkischen Fanszene ausging.

Civaka Azad spricht den Angehörigen des Todesopfers ihr aufrichtiges Beileid aus.