Unregelmäßigkeiten bei Verfassungswahl – eine Dokumentation

Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, 16.04.2017

Über den ganzen Tag des Verfassungsreferendums hinweg haben wir in diesem Artikel einen Liveticker geführt und unseren Fokus dabei auf die Situation und die Ereignisse im vorwiegend kurdischen Südosten der Türkei gelegt. Was dabei entstanden ist, wirkt wie die Dokumentation von unzähligen Unregelmäßigkeiten bei einem Verfassungsregerendum, das die regierende Partei nur hauchdünn für sich entscheiden konnte:

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16.18 Uhr, sendika29.org

In Silvan (Provinz Amed/Diyarbakir) ist ein Trafo (Umspanner von Stromleitungen) explodiert. Die Stromversorgung des Landkreises ist komplett unterbrochen.

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15.00 Uhr, Firatnews

Eine Stunde vor der Schließung der Wahllokale in dem Bezirk Esenyurt (Istanbul) werden zunehmend Autos ohne Kennzeichen vor den Schulen gesichtet, die als Wahllokale fungieren.

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14.51 Uhr, sendika29.org

In zahlreichen Stadtteilen und Dörfern in dem Landkreis Nusaybin (Provinz Mardin) wurden Wahlurnen an andere Orte verlegt. Wegen der im Geheimen durchgeführten Verlegung kam es zu einem Durcheinander. WählerInnen mussten lange nach Orten suchen, an denen sie ihre Stimme abgeben konnten. Trotzdem ist die Wahlbeteiligung in der Region wohl hoch.

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14:49 Uhr, Dihaber

Im Dorf Alakamis im Landkreis Idil von der Provinz Sirnak hat der Dorfvorsteher A.I. von vielen Dorfbewohnern die Ausweise eingesammelt und an ihrer Stelle abgestimmt.

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14.46 Uhr, sendika29.org
In dem Dorf Pirabat (Eleşkirt/Provinz Ağrı) haben der Dorfvorsteher und Dorfschützer Frauen dabei behindert, an der Wahl teilzunehmen. Auch kam es dazu, dass Männer im Namen von Frauen gewählt haben.

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14:20 Uhr, yarinhaber.net

Der AKP-Bürgermeister Kavcan von Hasköy/Mus droht den WählerInnen in der Düzkisla Grundschule mit den Worten: „Jeder, der geheim wählt, ist ein FETÖ Anhänger. Sie werden in Schwierigkeiten kommen. Sie werden verhaftet und werden ihre Arbeit verlieren.“

Nach den Informationen der Nachrichtenagentur ABC kam es durch die Drohungen zum öffentlichen Zeigen der Stimmzettel.

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14.11 Uhr, sendika29.org

In der Kreisstadt Karaköprü (Provinz Urfa) zwang der AKP-Wahllokalvorsteher gemeinsam mit dem Dorfvorsteher in der Şerif Özden-Oberschule WählerInnen, ihre Stimmen offen abzugeben.

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13.39 Uhr, Firatnews

Wie bereits bei den vorangegangenen Wahlen im Jahr 2015 tauchen wieder Autos ohne Kennzeichen vor den Wahllokalen auf. Vor dem Wahllokal in der Bey-koop Ali Cebi-Oberschule (Esenyurt/Istanbul) wurde ein Auto ohne Kennzeichen gesehen. Es wird auch berichtet, dass die Polizei nichts gegen die Anwesenheit des Autos unternimmt.
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13:20 Uhr, yarinhaber.net

Der oppositionelle CHP-Abgeordnete Ali Haydar Hakverdi erfuhr beim Abstimmen, dass seine Stimme von einer Unbekannten Person schon abgegeben worden war.
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13.12 Uhr, Firatnews

In Stadtteil Bağlar von Diyarbakir wurde der HDP Wahlverantwortliche für die Mittelschule Fatih, Sedat Köse, festgenommen.
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13.12 Uhr, sendika29.org

In dem Viertel Bağlar der Stadt Amed/Diyarbakir wurde der HDP-Verantwortliche für das Wahllokal in der Fatih-Oberschule, Sedat Köse, festgenommen.
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13.03 Uhr, sendika29.org

In dem Dorf Toprakkale der Kreisstadt Eleşkirt in der Provinz Ağrı werden die WählerInnen an der Wahlurn 1083 dazu gezwungen, ihre Stimmen offen abzugeben.
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13:00 Uhr, yarinhaber.net

Im Istanbuler Stadtteil Fatih hat der AKP Funktionär Turgut Sergin dem Beauftragten für die Urne mit der Nummer 3029 in einem Brief mitgeteilt, dass er alle nichtabgegebenen Stimmen als „JA“ Stimmen werten soll.

https://twitter.com/yarinhaber/status/853567154859499520

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12.48 Uhr, Firatnews

In Karapürçek wurden in der Çocuk Sevenler Derneği-Grundschule an der Wahlurne 2083 ungestempelte Wahlzettel nachträglich gestempelt. 184 Stimmzettel wurden ungestempelt abgegeben.
In dem Batıkent Seviye-Kolleg werden Stempel mit der Aufschrift „Evet/Ja“ verwendet.

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12:45, yarinhaber.net

In Antep/Nurdağ wurden zwei Wählerinnen dabei gefilmt, wie sie ihre Stimme anscheinend öffentlich abgeben mussten.

https://twitter.com/yarinhaber/status/853559219328516096/video/1
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12.30 Uhr, yarinhaber.net

Mitglieder von internationalen Wahlbeobachtungsdelegationen werden in Amed/Diyarbakir und Batman daran gehindert, die Stimmabgabe zu verfolgen.

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12.29 Uhr, Firatnews

In dem Dorf Mixakom (Çatbaşı) in der Provinz Muş wurde beobachtet, wie der Dorfvorsteher Mehmet Koçlardan, der als AKP-Anhänger bekannt ist, WählerInnen in die Wahlkabine begleitet. Koçlardan wird immer wieder dabei beobachtet, wie er in die Wahlkabinen hineingeht.

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12.15 Uhr, yarinhaber.net

Die bisherigen Ereignisse aus Bursa:
– Die Wahlurne mit der Nummer 4291 in der Hamitler Gazi Grundschule in Bursa wird nicht von Wahlhelfern beobachtet
– In der Yildirim Adnan Menderes Anadolu Imam Hatip Lisesi begleiten Personen die Wähler in die Kabinen
– In der Inegöl Gazipasa Grundschule in Bursa wurde eine Person dabei erwischt, wie er in den Urnen mit den Nummern 1454 und 1453 abgestimmt hatte und im Anschluss an seiner zugewiesenen Urne abstimmen wollte. Seine Stimme wurde für ungültig erklärt.
– In der Nilüfer Öztimurlar Mesleki ve Teknik Anadolu Lisesi wurde eine Person festgenommen, da sie zweimal abstimmte.
-In der Hamit Gazi Grundschule in Bursa werden die WählerInnen dazu gezwungen, ihre Stimmen öffentlich abzugeben. Die Wahlhelfer greifen hierbei nicht ein.

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12.12 Uhr, sendika29.org

In dem Viertel Bağlar der Stadt Amed/Diyarbakir wurde der HDP-Verantwortliche für das Wahllokal in der Fatih-Oberschule, Sedat Köse, festgenommen.

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12.10 Uhr, yarinhaber.net

In der Hayme Hatun-Grundschule in Ankara verwies der Wahllokalleiter in einem Raum alle Wahlhelfer des Raumes.

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12:08 Uhr, Dihaber

Nach den Informationen von Dihaber wurde der HDP Wahlhelfer Mukadder Yildiz in Horasan-Erzurum von AKP Anhängern tätlich angegriffen.

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12.08 Uhr, Firatnews          

Nach Informationen der Zeitung “Umut” wurden zwei WahlleiterInnen der HDP und DBP in der Mehmet Akif Ersoy-Grundschule in Amed festgenommen.

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12.06 Uhr, Firatnews

In Ankara werden an der Altındağ Hayme Hatun-Grundschule WahlbeobachterInnen von den Wahllokalverantwortlichen daran gehindert, das Wahllokal zu betreten.

https://twitter.com/kolektifler/status/853549091070119936/video/1

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12.03 Uhr, sendika.org

Im Dorf Toprakkale bei Ağrı-Eleşkirt werden die Bewohner an der Wahlurne 1083 gezwungen offen ihre Stimmen abzugeben.

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11.55 Uhr, yarinhaber.net

Der MHP-Vorsitzende des Landkreises Maraş/Afşin, Ersal Koç, gab seine Stimme offen ab. Koç sagte während seiner offenen Stimmenabgabe: „Gefolgschaft ist eine ehrenvolle Aufgabe für uns“. Er teilte daraufhin seine Tat über die sozialen Medien.

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11.54 Uhr, yarinhaber.net

Gemäß Informationen der Nachrichtenagentur Dihaber wurde der Dorfvorsteher in dem Dorf Çatbaşı in der Provinz Muş dabei beobachtet, wie er aus einer Wahlkabine mit fünf Umschlägen herauskam.
https://twitter.com/yarinhaber/status/853561708715143168/video/1

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11.45 Uhr, Firatnews

In dem Kırıklar-Gefängnis in Izmir wurden politische Gefangene durch GefängniswächterInnen daran gehindert, ihre Stimme abzugeben.

Der Gefangene Şefik Öztekin rief am Morgen seine Familie an und teilte ihr mit, dass er von einer Liste 25 Gefangener gestrichen wurde und deshalb seine Stimme nicht abgeben könne. Die Häftlinge protestieren dagegen derzeit, indem sie gegen Wände und Türen des Gefängnissen hauen.

11.40 Uhr, Firatnews

In Sorgun/Yozgat wurde gesehen, wie Wahlzettel in einem Auto gestempelt wurden.


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11:40 Etha.com.tr

In Muş Varto halten die Polizisten nicht die gesetzliche Distanz zu den Urnen ein. Laut Angaben der Lokalbevölkerung befinden sich in der “Cumhuriyet Mittelschule” die Polizisten im Wahlgebäude.

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11:40 Uhr, yarinhaber.net

In der Haci Ethem Üktem Mittelschule im Istanbuler Stadtteil Kagithane wurde eine Person, die bei der Stadtverwaltung arbeitet, dabei erwischt, wie er drei Stimmen in drei verschiedenen Urnen abgab. Ein Reporter vom ABC Nachrichtendienst fand heraus, dass es sich hierbei um die Person mit dem Namen Eyüp K. handelt. Er gab Stimmen an den Urnen mit den Nummern 1308 und 1320 ab und wurde dabei von Wahlbeobachtern gehindert, an einer dritten Urne abzustimmen.

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11.31 Uhr, Firatnews   

In der Sahra Galip Özsan Grundschule im Landkreis Talas der Provinz Kayseri wurden unbenutzte Wahlzettel in einem Abfalleimer aufgefunden.

Laut Aussage eines unserer Beobachters wurde in Ankara an der Kılıç Ali Paşa-Grundschule eine Person dabei beobachtet, wie sie an zwei Wahlurnen ihre Stimme abgab, obwohl ihr Name sich nicht auf der offiziellen WählerInnenliste befand.
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11.31 Uhr, Firatnews

In der Ciftlikköy Mittelschule in Mersin wurden die Wahlbeobachter durch die Polizei nach draußen geführt und an ihren Pflichten behindert.

Laut vorliegender Informationen hat in der Yeşilova Halil Atilla-Grundschule in Izmir an der Wahlurne 2297 der AKP-Wahllokalvorsteher die WahlbeobachterInnen daran gehindert, das Wahllokal zu betreten.

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11.29 Uhr, sendika.org

In der İBB Kiptaş Berufsschule in Diyarbakir-Bağlar wurden der Wahllokalleiter und die Wahlhelfer der HDP aus dem Wahllokal herausgeschmissen.

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11.13 Uhr, sendika.org

Der Bundestagsabgeordnete Andre Hunko ist als Wahlbeobachter des Europarates aktuell in Diyarbakir. Zu den schwer bewaffnet bewachten Wahllokalen in Diyarbakir-Sur erhält er allerdings keinen Zugang.

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11.29 Uhr, Özgürlükçü Demokrasi

In Erzurum Horasan wurde in der Fatih Grundschule der HDP Wahlhelfer Mukadder Yıldız von einer siebenköpfigen AKP-Gruppe angegriffen

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11:10 Uhr, Firatnews

In der Hazim Ersu Grundschule im Istanbuler Stadtteil Bahcelievler, beschwert sich Zeliha Akgül an der Wahlurne 2027 darüber, dass auf ihren Namen schon gewählt und unterschrieben wurde.

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11.10 Uhr, sendika.org

In Diyarbakır Talaytepe wurden zwei Wahlurnenleiter der HDP und DBP festgenommen. Es handelt sich bei den Personen um Haygül Aktaş und Rojin Şeker.

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11.07 Uhr, ETHA.com.tr

In Kızıltepe wurden zwei HDP-Wahlhelfer festgenommen.

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11.05 Uhr, Evrensel

In der Erek TOKI Grundschule in Van werden die HDP-Wahlhelfer aus dem Wahlgebäude herausgedrängt.

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11.01 Uhr, Firatnews

In Hoşap, einer Kleinstadt im Landkreis Gürpinar in der Provinz Van, haben Soldaten die Wahlurnen beschlagnahmt.

In der Güzelsu Grundschule in Hoşap werden HDP Wahlbeobachter durch Soldaten daran gehindert, ihren Tätigkeiten an den Wahlurnen nachzugehen.

Soldaten und Dorfschützer haben in der Grundschule, in der die Wahl stattfinden soll, Durchsuchungen begonnen und dem Volk damit gedroht, dass sie falls kein JA rauskommen sollte, sie den Bewohnern “die Hölle heißmachen” werden.

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10.54 Uhr, sendika.org

Im Dorf Şavato (Urfa-Ceylanpınar) wurden nun die HDP-Wahlhelfer, die zuvor aus den Wahllokalen gewaltsam entfernt worden waren, nun auch aus Dorf vertrieben.

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10.49 Uhr, sendika.org

In Van Özalp wurde in der “Schule des 3. Aprils” ein Wahlhelfer durch den örtlichen Polizeichef aus der Schule geschmissen.

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10.28 Uhr, Firatnews

In dem Dorf Yabanardı ( Amed – Çermik ) kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Wählern. Die AKP-Wähler, welche im Namen für nicht anwesende Personenweitere Stimmen abgeben wollten, griffen dabei zur Waffe.

Bei der Auseinandersetzung zwischen zwei Geschwistern schoss der AKP-Wähler Hıdır Yıldız und seine Söhne, auf seinen Bruder Şeyhmus Yıldız und seinen Sohn. Beide verstarben und İdris Yıldız wurde verletzt. Die Leichen wurden zum staatlichen Krankenhaus Siverek gebracht.
Der Wahlvorgang in dem Dorf wurde unterbrochen.

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10.18 Uhr, Firatnews

Andauernde Gesetzesverstöße: Offene Stimmenabgabe, Gewalt, Verhaftungen…

URFA

In der Kreisstadt Ceylanpınar in Urfa behinderte die Polizei WahlhelferInnen der HDP dabei, zu den Wahlurnen zu gelangen. Als die HDP-Wahlhelfer Necmi Taş und Mahmut Şahin in dem Stadtteil Aydoğdu Einspruch gegen die Forderung des Bezirkvorstehers Derviş Gümüş einlegten, dass die Stimmenabgabe offen erfolgen solle, wurden sie mit Gewalt aus dem Stadtviertel gebracht.
In der İncirliova Ortaöğretim-Schule des Stadtteils Karaköprü der Stadt Urfa wurde bekannt, dass an der Wahlurne 1083 von Seiten des Wahllokalvorstehers die Wahlzettel so gefaltet werden, dass nur das „Ja“ zu sehen ist und sie so an die WählerInnen ausgeteilt werden, dass sie zuerst das „Ja“ sehen.

ANTEP

In Antep begannen die Gesetzesverstöße der AKP mit der offenen Stimmenabgabe. In der Nachbarschaft Mesthöyük der Kreisstadt Nurdağı kam es zu Szenen, in denen WählerInnen in einer offenen Wahl für „Ja“ stimmten.

In dem Stadtteil Kayaönü der Kreisstadt Şehitkamil kam es in der Şehit Nafi Çevik-Oberschule zu kurzen Streitigkeiten zwischen WahlhelferInnen der AKP und der CHP. Im Laufe der Streitigkeiten drohte ein Wahlhelfer der AKP den Anwesenden damit, dass sie alle gegenüber dem AKP-Abgeordneten für Antep Abdulkadir Yüksel Rechenschaft ablegen müssten.

In der selben Schule wurde bekannt, dass an der Wahlurne 2171 52 Stimmzettel fehlen. Anwesende Anwälte der HDP protokollierten den Vorfall.

HDP-VertreterInnen protokollierten auch Fälle, bei denen WahlhelferInnen der AKP offen Parteisymbole der AKP trugen.

ADANA

In den Kreisstädten Seyhan und Yüreğir der Provinz Adana begann das Referendum um 8 Uhr in sechs Schulen trotz fehlender Wahlzettel und Wahlumschläge. Die WahlhelferInnen protokollierten den Vorfall und meldeten ihn der Hohen Wahlbehörde (Yüksek Seçim Kurulu’na-YSK).

In der Grundschule „29. Oktober“ wurde eine Frau, deren Namen nicht in Erfahrung gebracht werden konnte, unter dem Vorwurf verhaftet, für ein „Nein“ bei dem Referendum geworben zu haben. In der Anafartalar-Grundschule wurde ein Jugendlicher namens Cihat Baytekin unter dem Vorwurf festgenommen, sich der Wehrpflicht entzogen zu haben.

In den vor allem von KurdInnen bewohnten gebieten befinden sich viele gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz.

HATAY

In der Kreisstadt Reyhanlı der Provinz Hatay wurde bekannt, dass an der Wahlurne 159 auf dem Stempel, mit dem auf den Stimmzetteln abgestimmt wird, statt „tercih/Wunsch“ ein „evet/Ja“ gedruckt ist. Die Stempel wurden mittlerweile durch die offiziellen Wahlstempel ersetzt.

AMED/DIYARBAKIR

In der Mehmet Akif Ersoy-Grundschule wurden die WahlhelferInnen der HDP und DBP, Haygül Aktaş und Rojin Şeker verhaftet.

ADIYAMAN

Vor einer als Wahllokal genutzen Schule wurde ein Auto mit der Aufschrift „Evet/Ja“ geparkt.

Gesetzesverstöße dauern an

In dem Stadtteil Sarıyer wurde an der Wahlurne 1272 ein Polizist dabei erwischt, wie er Fotos machte. Die WahlbeobachterInnen vor Ort erklärten daraufhin die Stimme des Polizisten für ungültig.
In der Cumhuyriyet-Oberschule wurde der Wähler Nurten Abay dabei erwischt, wie er an zwei verschiedenen Wahlurnen gleichzeitig seine Stimme abgab. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet.
In der Vega-Schule in dem Stadtteil Sultanbeyli wird den WahlbeobachterInnen der Zugang zu den Wahllokalen verweigert.

Der Wähler Turgay Hisoğlu wurde in einem Wahllokal Arnavutköy dabei erwischt, wie er sich bei seiner Stimmabgabe fotografierte. Seine Stimme wurde für ungültig erklärt.

In der Sultançiftliği-Oberschule in Çekmeköy wurden offene Säcke mit Wahlzetteln gefunden. Zudem wurde bekannt, dass einige Wahlzettel nicht offiziell gestempelt wurden.

In der Bahçelievler-Grundschule in Çorlu wurden an die anwesenden WahllokalleiterInnen Informationsblätter mit dem Titel „AKP Wahlinformationsblatt“ verteilt.

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09.39 Uhr, Firatnews

BefürworterInnen der Verfassungsänderungen beginnen mit Gesetzesverstößen

Die von Beginn an andauernden Gesetzesverstöße der AKP im Zusammenhang mit dem Referendum dauern auch heute an. Auch in den vom Krieg zerstörten Teilen Hakkaris gehen die Menschen heute an die Wahlurnen, um mit „Nein“ abzustimmen.

VAN

Seit den frühen Morgenstunden strömen die Menschen in Van zu den Wahlurnen. Die Abstimmung begann mit Gesetzesverstößen seitens der AKP. In Gürpınar und Edremit kam es zwischen AKP-Anhängern, die Menschen zu einem „Ja“ drängen wollten, und anwesenden WählerInnen zu Streitigkeiten.

In Edremit kam es in der Ertuğrul Gazi-Grundschule zu Streitigkeiten zwischen WählerInnen und Polizisten, die Menschen an der Wahlurne 1067 dazu drängten, bei dem Referendum mit „Ja“ zu stimmen.

In der Kreisstadt Hoşap in Gürpınar drang die Gendarmerie in eine Schule, die als Wahllokal dient, ein und warfen die Wahlhelferinnen heraus. Als die Gendarmerie die Schule verließ, endeten die Streitigkeiten.

In der Yunus Emre-Grundschule in dem Stadtteil Yeni Mahalle wurde an der Wahlurne 1203 festgestellt, dass 57 Wahlzettel fehlen.

ISTANBUL

Trotz bestehender Verbote wurden in mehreren Schule, die als Wahllokale dienen, Flyer gefunden, die für ein „Ja“ bei dem Referendum werben.

In der Mehmet Niyazi Altuğ Anadolu-Oberschule in dem Viertel Bağcılar wurde bekannt, dass sich weiterhin Wahlplakate an den Wänden befinden, die für ein „Ja“ bei dem Referendum werben.
Vor der Ümraniye Tantavi Atatürk-Oberschule steht ein Auto mit der Aufschrift „Wir sagen sogar ja dazu, für dich zu sterben“.

HAKKARI

Auch in den stark zerstörten Vierteln Cumhuriyet, Güngör, Kuruköy (Maxsudava), die während einer 79-tägigen Ausgangssperre in Kriegsfelder verwandelt wurden, strömen die Menschen seit den frühen Morgenstunden zu den Wahlurnen.

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9.10 Uhr, sendika.org

In Diyarbakir Talaytepe wurden wohl die Wahlhelfer der HDP festgenommen. Weitere Informationen folgen.

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8.57 Uhr, sendika.org

In der Kreisstadt Kulp (Diyarbakir) haben die Einwohner einiger Dörfer erst am heutigen Referendumstag erfahren, dass die Wahlurnen, an denen sie wählen dürfen, in andere Dörfer verlegt worden sind. Die Dorfbewohner wurden zuvor nicht informiert. Die Verantwortlichen des Wahlamtes gaben an, dass die Dorfvorsteher rechtzeitig informiert worden seien, was diese bestreiten.

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8.46 Uhr, Firatnews

Mit dem Beginn der Stimmabgabe in Kurdistan (Südosttürkei) haben auch die Gesetzesverstöße und Drohungen begonnen. Soldaten und Dorfschützer drangen in dem Viertel  Hoşap der Stadt  Gürpınar in Wahllokale ein und bedrohten die dort anwesenden WahlhelferInnen.

Die Soldaten und Dorfschützer drangen in der Güzelsu Grundschule bewaffnet in die Wahllokale ein und sprachen Drohungen aus. Sie kontrollierten auch die Ausweise der WählerInnen und behinderten die Arbeit der WahlhelferInnen.

Die Soldaten und Dorfschützer reagierten nicht auf die Beschwerden von Mitgliedern der Hohen Wahlbehörde (Yüksek Seçim Kurulu -YSK) und der WahlhelferInnen und bedrohten sie stattdessen mit ihren Waffen. Folgende Drohungen sprachen sie aus: „Wenn das Referendum vorbei ist, werdet ihr schon sehen“, „Wir werden die Schule über euren Kopfen einreißen“. Sie drängten die anwesenden WählerInnen auch, bei dem Referendum mit „Ja“ zu stimmen.

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8.00 Uhr, sendika.org

In Hoşap (Van Gürpınar) sind Soldaten und Dorfschützer als Wahlhelfer eingeteilt. Vor dem Wahllokal der Güzelsu Grundschule in Hoşap werden „Ja-Broschüren“ verteilt, obwohl Propagandatätigkeit am Wahltag rechtlich verboten ist.

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7.52 Uhr, sendika.org

Im Dorf Şavato (Urfa-Ceylanpinar) wurde ein Wahlhelfer der HDP durch die AKP-Mitglieder tätlich angegriffen und gewaltsam aus dem Wahllokal entfernt.

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7.07 Uhr, Firatnews

Verfassungsreferendum in der Türkei beginnt

Das Referendum über die geplanten Verfassungsänderungen läuft in Kurdistan (Südosttürkei) seit 7 Uhr und in der Türkei seit 8 Uhr morgens. In Kurdistan (Südosttürkei) werden die Wahllokale bis 16 Uhr und in der Türkei bis 17 Uhr geöffnet sein.  55.319.222 WählerInnen sind zur Wahl aufgerufen. Es stehen 167.140 Wahlurnen zur Verfügung.

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6.45 Uhr, sendika.org

In den kurdischen Siedlungsgebieten hat die Stimmabgabe um 7 Uhr Ortszeit begonnen. Bis einschließlich 16 Uhr haben die Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit ihre Stimmen abzugeben.