Hintergrundinformationen

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Es wurde ein Faden der Frauensolidarität und der Hoffnung gesponnen

Andrea Benario über die Selbstorganisierung in der Demokratischen Föderation Nordsyrien, für den Kurdistan Report Juli/August 2017

In den Begegnungen mit Menschen, mit der Geschichte und der Natur in den Gebieten der Demokratischen Föderation Nordsyrien treffen immer wieder tiefe Widersprüche aufeinander: Tod und Leben, Dürre und Fruchtbarkeit, Leid und Freude, Zerstörung und Neuaufbau, Grausamkeit und Schönheit, Unterdrückung und Widerstand, Ängste und Hoffnungen …

Diese Widersprüche, aber auch das Neue, das aus den Spuren verschiedener geschichtlicher Epochen und gegensätzlichen Erfahrungen entsteht, sind überall deutlich zu spüren. Anfangs schien es nicht so leicht, Akzeptanz für das Konzept der Demokratischen Nation zu finden, das …

„Demokratisches Kurdistan, Demokratische Mittelostföderation, Globaler Demokratiekongress“

Abdullah Öcalan über die Formel „Staat plus Demokratie in Kurdistan“ und die Zukunft in der Region, 04.08.2017

Konkret ist Kurdistan mit der Geschichte, Geographie und den Völkern des Mittleren Ostens so untrennbar verwoben. Diese Tatsache wird durch den Ausschluss des Nationalismus noch bedeutsamer. Der Nationalismus ist der tiefere Grund für die Sackgasse, in der die Beziehungen zwischen Palästina und Israel stecken. Dass dem Nationalismus einer Nation noch religiöser Nationalismus hinzugefügt wurde, hat die Katastrophe vervielfacht. Wenn man stattdessen demokratische Lösungsmöglichkeiten genutzt hätte, hätte es wahrscheinlich weniger Leid gegeben und eine Ordnung errichtet werden können, die günstiger ist als die heutige. …

“Bei jeder Entscheidung ist die Frauenbefreiung unser Hauptprinzip”

Foza Yusif über das System der Demokratischen Nordsyrien Föderation, 02.08.2017

In einem Interview für die Frauen-Nachrichtenagentur Şûjin hat die Ko-Vorsitzende des Exekutivrats der Demokratischen Föderation Nordsyrien, Foza Yusif Fragen bezüglich des politischen Systems der Föderation und der politischen und gesellschaftlichen Partizipation der Frauen in diesem System beantwortet.

Vor kurzem hat der konstituierende Rat der Nordsyrien Föderation in der Stadt Rimelan des Kantons Cizîrê eine Sitzung abgehalten. In dieser Sitzung wurde über die Verwaltungsregionen und die Wahlgesetzte abgestimmt. Warum wurde solch eine Sitzung abgehalten?

Wir arbeiten schon seit einer langen Zeit an diesen beiden Gesetzten. Insbesondere auf der letzten Sitzung des …

“Bei anhaltenden Angriffen auf Afrîn, kann die Raqqa-Operation nicht weitergeführt werden”

Sipan Hemo über die Situation der Raqqa-Offensive, Civaka Azad, 30.07.2017

Der Oberbefehlshaber der Volksverteidigungseinheiten (YPG), Sipan Hemo hat in einem Interview am 28. Juli mit der Nachrichtenagentur ANF, Fragen bezüglich der letzten Entwicklungen in Rojava und Syrien, insbesondere den anhaltenden Interventionsversuchen der türkischen Armee auf den Kanton Afrîn beantwortet.

Während die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) daran arbeiten, die Kontrolle über das Stadtzentrum von Raqqa zu erlangen, führen sie im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) einen heldenhaften Widerstand. Auf welcher Ebene befindet sich ihre Beziehung zu den USA und den Koalitionskräften?

Die Bedeutung des Widerstandes gegen den IS-Terror und seine …

JINWAR – Dorf der freien Frauen

Aufbaukommitee JINWAR, 29.07.2017

Schon vor tausenden von Jahren begann im Mittleren Osten, dem Ursprungsort der menschlichen Existenz und deren ethischen Prinzipien, die Revolution der Frau. Im Zweistromland von Euphrat und Tigris sowie von Habur und Zap entwickelte sich ein Leben, in dem Frauen eine bedeutende Rolle für die Weiterentwicklung der Gesellschaft einnahmen. Mit der von Frauen angeführten neolithischen Revolution erreichte dieses Zeitalter die höchste Stufe. Diese Geschichte ist bis heute in der Geografie des Mittleren Ostens lebendig. Wir können die Geschichte unserer Gesellschaft an Orten wie Göbekli Tepe, Vajukani, Orkesch, Çemê Xellan, Kortik und der Höhle Schanidar finden. Historiker*innen …

Die kurdisch-türkischen Beziehungen

Abdullah Öcalan zu möglichen Lösungsoptionen der kurdischen Frage und einer politisch-gesellschaftlichen Wende in der Türkei, 24.07.2017

Der Schlüssel für die Lösung der kurdischen Frage liegt in den kurdisch­-türkischen Beziehungen in der Türkei. Die Kurden im Iran, Irak und in Syrien besitzen nur ein begrenztes Potential, um für sich allein eine dauer­hafte Lösung zu erzielen. Solche Lösungen tragen eher Ersatzcharakter. Die Phasen, die die kurdische Frage im Irak durchgemacht hat, beweisen diese Tatsache. Der heutige kurdische Bundesstaat ist ein Gebilde, welches als Gegenleistung für die Bemühungen der Türkei entstanden ist, die USA und ihre Verbündeten die PKK als „terroristisch“ deklarieren zu …

Warum eine Website für Jineolojî?

Heval Rumet zum Aufbau einer deutschsprachigen Internetpräsenz für Jineolojî, 19.07.2017

Angesichts des realen Leids, der Armut, Gewalt, Folter und tausenden anderen Formen von Brutalitäten, die wir wieder und immer wieder erleben: ist demgegenüber eine solch ungreifbare und künstliche, virtuelle Website nicht eines der letzten Bedürfnisse von Frauen? Seit tausenden von Jahren werden zahllose Städte auf dem Boden dieser Erde gebaut, diedie Welt zu einem leblosen Ort gemacht haben – warum fügen wir dem eine solche Homepage im Namen von Jineolojî hinzu? Warum ist das nötig? Ist diese Notwendigkeit eine ebenso reale wie unser Leiden?

Schauen wir uns die Tante …

Aufruf zum Internationalen Aktionstag gegen Feminizid

Erklärung der Frauenfreiheitsbewegung der Êzidinnen (TAJÊ), 21.07.2017

Am 3. August 2017 jährt sich der genozidale Angriff des sog. Islamischen Staats (IS) gegen ezidische KurdInnen im nordirakischen Sindschar [kurd. Şengal] zum dritten Mal. Die am 3. August 2014 begonnenen Angriffe und Massaker führten nicht nur zu einer humanitären Katastrophe, sondern hatten zum Ziel, die ezidische Religionsgemeinschaft auszulöschen. Als Mittel dazu richtete sich der Angriff systematisch gegen Frauen. Daher stellt dieser Genozid in seiner Form zugleich auch einen Feminizid dar.

Am 3. August 2014 wurde die Weltöffentlichkeit Zeuge eines genozidalen Angriffs durch den IS mit Ziel der Auslöschung einer der ältesten Religionsgemeinschaften, …

“Hat sich die Frage der Gerechtigkeit dadurch gelöst?”

Der Journalist Celal Başlangıç in einem Interview mit RojNews zum Gerechtigkeitsmarsch der CHP und den Repressionen gegen die HDP, 15.07.2017

Der am 15. Juni begonnene „Gerechtigkeitsmarsch“ in der Türkei, welcher vom Vorsitzenden der Republikanische Volkspartei (CHP) Kemal Kılıçdaroğlu initiiert wurde, endete 25 Tage später mit einer großen Abschlusskundgebung in Istanbul. Könnte der Gerechtigkeitsmarsch, der aus verschiedenen Kreisen Unterstützung erfahren hat, als ein Weckruf für die Opposition in der Türkei interpretiert werden?

Dieser 25 Tage währende Gerechtigkeitsmarsch zeigte auf, dass die 15-jährige Opposition gegen die Herrschaft der AKP (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) quantitativ als auch qualitativ an einem …

Der andere Öcalan

Buchrezension zu Abdullah Öcalans »Zivilisation und Wahrheit« von Kerem Schamberger, 13.07.2017

Die deutschen Medien kennen in der Regel nur einen Abdullah Öcalan – den Machtmenschen, den Terroristen.  Öcalan hat die PKK gegründet, die Arbeiterpartei Kurdistans, in Deutschland seit 1993 verboten und in vielen Staaten auf der Terrorliste. Mehr muss der Zeitungsleser hierzulande nicht wissen. Sein Buch „Zivilisation und Wahrheit“ zeigt den anderen Öcalan: einen linken Vordenker.

„Zivilisation und Wahrheit“ ist der erste Teil eines fünfbändigen Opus magnum. Von 2007 bis 2010 füllte der 68jährige 2300 A4-Seiten. Ganz ohne Laptop und Internet. Seit dem 15. Februar 1999 sitzt Öcalan Gefängnisinsel Imrali …

Das Selbstbestimmungsrecht der Völker neu definieren

Abdullah Öcalan analysiert selbstkritisch die etatistische Interpretation des Selbstbestimmungsrechts der Völker, 11.07.2017

Ein (…) bedeutender Fehler der PKK rührte von ihrer Definition der Nation und des nationalen Befreiungskampfes her. Wie ein quasi-religiöses Gebot hatten wir auswendig gelernt, dass der Weg zur Bildung einer Nation über einen nationalen Befreiungskampf führt. Die Klassiker des Sozialismus und die zeitgenössischen Kriege befahlen dies. Ohne Nation zu sein, würden wir weder Freiheit noch Gleichheit erlangen, der Weg in die Moderne bliebe versperrt. Der Weg dahin führte über einen mit ganzer Kraft geführten nationalen Befreiungskrieg in drei Stufen: Strategische Verteidigung, strate­gisches Gleichgewicht und strategischer Angriff. Mit …

Die Dialektik der Frauengesetze in Rojava

Andrea Benario zum Verhältnis von Recht und Moral, für den Kurdistan Report März/April 2017

Das Erringen und die Umsetzung von Frauenrechten war und ist ein wesentliches Anliegen feministischer und progressiver Kämpfe in Europa. Während erkämpfte Rechte wie beispielsweise das Wahlrecht, Bildungsrecht, Scheidungsrecht oder Gewaltschutzgesetze einerseits dazu führten, dass Frauen an Selbstbewusstsein und Handlungsmöglichkeiten hinzugewannen, stellte sich andererseits bei vielen der Trugschluss ein, Frauen seien de facto »frei« und »gleich«. Jedoch zeigt uns die alltägliche Realität von Frauen in Europa, dass die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern nicht ausreicht, patriarchale Strukturen zu überwinden, geschweige denn patriarchale Gewalt zu beenden. Vielmehr …

Jineolojî –Wissenschaft des Lebens

Haskar Kırmızıgül zu den Aufgaben und Ziele der Jineolojî, für den Kurdistan Report März/April 2017

Viele wissen, dass Jineolojî die Wissenschaft der Frau ist. Es ist kein Zufall, dass aus etymologischer Sicht der Begriff »jin« (kurdisch für »Frau«) mit dem Wort »jiyan« (Leben) eng verwandt ist. Während sich die Jineolojî als eigenständige Wissenschaft etabliert, wird sie sich weiterentwickeln, weil sie mit dem Leben verbunden ist. Behaupten die Sozialwissenschaften nicht genau das, gesellschaftliche Fragen zu lösen? Wenn dies stimmte, würde die Frau nicht als Müllhalde der Gesellschaft betrachtet, sondern als Kern für Aufklärung und Freiheit. Es gilt, die Frau von dem …

Die Zivilisation des Mittleren Ostens

Abdullah Öcalan zur Widerständigkeit der mittelöstlichen Zivilisation und Wegen aus dem Chaos, 06.07.2017

Der Mittlere Osten erlebt gerade eine für ihn spezifische Art eines dritten Weltkrieges. Dieser Krieg unterscheidet sich jedoch von klassischen militärisch-politischen Auseinandersetzungen durch einige Besonderheiten. Tatsächlich findet ein „Kampf der Kulturen“1 statt, jedoch wird dieser Begriff oft falsch interpretiert. Seine historischen und gesellschaftlichen Dimensionen werden oft zu wenig beleuchtet. Die beteiligten Seiten, ihre Methoden und Ziele bleiben so im Unklaren. Obwohl von verschiedenen Plänen und Projekten die Rede ist, wirkt dieser Krieg, als ob er planlos und spontan geführt werde. So, als ob es das Ziel …

Allein die Einladung Erdoğans ist Unterstützung für seine Politik

Interview mit Yavuz Fersoğlu, Vorstandsmitglied des Demokratischen Gesellschaftszentrums für Kurdinnen und Kurden in Deutschland (NAV-DEM), für den Kurdistan Report Juli/August 2017

Zum G20-Gipfel laden die selbst ernannten HerrscherInnen der Welt im Juli nach Hamburg. Für die Bevölkerung in Hamburg wird das den Ausnahmezustand bedeuten. Zehntausende sogenannte »Sicherheitskräfte« werden das Treffen absichern, denn die Erdoğans, Trumps und Putins, und wie sie alle heißen, werden von einem Großteil der Bevölkerung nicht herzlich willkommen geheißen. Auch NAV-DEM ruft zur Beteiligung an den Protesten auf – wie auch zur Teilnahme am Gegengipfel. Wir sprachen mit dem Vorstandsmitglied von NAV-DEM, Yavuz Fersoğlu, über

G20 und die Vision von Rojava

Fragen an Salih Muslim, Kovorsitzender der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), für den Kurdistan Report Juli/August 2017

Stellen Sie sich vor, jemand hat noch nie etwas von Rojava gehört und Sie haben eine Minute Zeit, es zu erklären. Was erzählen Sie von Rojava? Was ist Ihnen wichtig?

Rojava ist ein Teil Mesopotamiens, das seit Jahrhunderten Angriffen, Ausbeutung und Besatzung ausgesetzt ist. Auch Rojava stand unter Besatzung. Ein weiterer Angriff erfolgte in jüngster Zeit durch den Islamischen Staat (IS). Der IS wollte damit eine demokratische Entwicklung in Şengal (Sindschar), Ninova und in Rojava verhindern. Dagegen wehren sich die Kurden. Im Kampf …

“Das demokratische Lösungsmodell ist die primäre Methode um Probleme zu lösen”

Ein Beitrag von Abdullah Öcalan zur demokratischen Lösung der kurdischen Frage und dem Spannungsfeld zwischen Konföderalismus und Nationalstaat, Civaka Azad, 27.06.2017

Die Probleme, welche die kapitalistische Moderne verursacht, wurden stets mit den nationalstaatlichen und nationalistischen Paradigmen angegangen. Der Nationalstaat wurde immer als der wichtigste Akteur für die Lösung dieser Probleme präsentiert. Um die Nationalstaaten richtig zu verstehen, müssen wir ihre Stellung im hegemonialen System, sowie ihre Verbindungen zum Kapitalismus und Industrialismus begreifen. Auch die sozialistische Ideologie konnte keine grundsätzliche Lösung für das Problem des Staates entwickeln und verschleierte es auf diese Weise noch mehr. Doch die ausschlaggebende Ursache für …

14.Tîrmeh (14. Juli) – Die Hölle von Dîyarbakir

Das Gefängnis Dîyarbakir (türkisch Diyarbakır Cezaevi, kurdisch Zîndana Amedê) ist der Dreh-und Angelpunkt des neu erschienen Films „14. Juli“

Am 12. September 1980 ereignete sich in der Türkei ein Militärputsch, der sich gegen Demokraten, Linke und KurdInnen richtete. In der Folge wurde das Parlament quasi entmachtet und unter Kontrolle einer Militärregierung gestellt, die das Land auf Basis einer nationalistisch-religiösen Gleichschaltung führte. Zivilgesellschaftliche Gruppen und demokratische Strukturen wurden zerschlagen, KurdInnen verfolgt, tausende Personen wurden inhaftiert und in den Gefängnissen systematisch gefoltert. Der Film »14. Juli« erzählt die Geschichte der Helden des Hungerstreiks in dem türkischen Gefängnis der kurdischen Stadt Diyarbakir/Amed, der …

Die arabische Frage im Mittleren Osten

Eine Bewertung von Abdullah Öcalan zur historischen Ursache der heutigen arabischen Probleme und möglichen Lösungsperspektiven, Civaka Azad, 09.06.2017

Um zu begreifen warum zweiundzwanzig arabische Nationalstaaten gegründet wurden, muss zunächst die hegemoniale Konstruktion der kapitalistischen Moderne im Mittleren Osten richtig verstanden werden. Mit historischen Auffassungen, die durch geschichtliche Darstellungen wie der „glorreichen Gründung des Nationalstaates” der Realität spotten, ist eine fundierte Analyse von Staats- und Gesellschaftsfragen nicht möglich. Die sogenannte arabische Frage ist somit nicht mit gängigen links- oder rechtsorientierten, religiös-konfessionellen, ethnischen und stammesartigen Geschichtsinterpretationen des etatistisch-kleinbürgerlichen Nationalismus erklärbar. Die  „arabische Frage“ ist auch nicht reduzierbar auf die Situation von Israel …

Jinwar – ein Ort der Frauen

Ein Bericht von Andrea Benario über ein eigenständiges Dorf von, für und mit Frauen; für den Kurdistan Report Mai/Juni 2017

Inmitten des Krieges in Syrien bauen sich Frauen in Rojava ein neues Leben auf. Die beim Aufbau der demokratischen Autonomie, bei der Basisorganisierung in Frauenkommunen, Frauenkooperativen und Frauenräten gewonnenen Erfahrungen haben ihnen Mut und Selbstvertrauen gegeben, neue Schritte zu wagen. So entstand die Idee, das Frauendorf Jinwar zu gründen. Jinwar, was auf Kurdisch »Ort der Frauen« heißt, soll ein Dorf werden, in dem Frauen, die durch Krieg und Gewalt Leid erfahren haben, genauso wie Frauen, die keine klassische Familie gründen …